Serie Leinwand-Maskierung zur Bildverbesserung (Teil 1 2 3 4)

Mechanische Leinwand-Maskierung: Anforderungen und Eigenbau

Nachdem ich mir nun für länger Zeit mit einer manuellen, magnetischen Leinwand-Maskierung beholfen hatte, wurde mir das deutlich zu unbequem. Generell würde ich eine Maskierung nicht mehr hergeben wollen, aber die Rüstzeiten sind mir bei der magnetischen Lösung einfach zu hoch. Höchste Zeit, auf eine fest verbaute, mechanische Maskierung umzurüsten.

Die obere Maskierung an einer Leinwand.

Die Maskierungsmechanik ist stets eine sehr individuelle Angelegenheit. Du musst sie auf die Gegebenheiten deiner Leinwand anpassen. Ein allgemein gültiges Rezept kann es dafür nicht geben. Ich denke aber, dass ich mir die Anforderungen ziemlich hoch gesteckt habe, so dass du mit der hier vorgestellten Lösung auf fast jede Frage eine Antwort finden dürftest.

Anforderungen an eine mechanische Maskierung

Es gibt verschiedene Aspekte zu beachten, wenn du eine mechanische Maskierung bauen willst. Hier die Dinge, die ich lösen musste:

  • Wie weit wird die Maskierung in die Leinwand hinein gefahren?
  • Wie wird die Maskierung möglichst unauffällig an der Leinwand montiert?
  • Auf welche Weise wird die Maskierung bewegt?
  • Wie werden die Maskierungsbretter realisiert?
  • Wie hält die Maskierung an ihrer eingestellten Position?
  • Gibt es eine mechanische Beziehung des oberen und unteren Maskierungsbretts zueinander?

Mangels besserer Begriffe spreche ich hier im Folgenden immer von „Maskierungsbrettern“, wenn ich den eigentlichen, abschirmenden Teil der Maskierung meine – auch wenn ich diese, wie du später sehen wirst, nicht aus Holz gefertigt habe und der Begriff „Brett“ daher irreführend ist.

Die hier gebaute Maskierung wurde darüber hinaus mit der Anforderung gebaut, sie später motorisieren zu können. Das sind mehrere Kapitel für sich, daher verschiebe ich das auf später.

Deine Gedanken interessieren mich nicht, bring mich zur Umsetzung.

Den maskierbaren Bereich festlegen

Ich gehe davon aus, dass du eine 16:9-Leinwand auf das 21:9-Format maskieren willst. Das ist die übliche Anforderung – anderenfalls musst du eben „quer denken“.

Das 21:9-Format ist eine vereinfachte Zusammenfassung verschiedener gängiger Bildformate aus dem Kino, wie etwa 2,35:1 oder 2,39:1. Die Bildhöhe würde bei FullHD-Auflösung (1920×1080 Pixel) demnach rund 822 Pixel betragen:

1920 ÷ 21 × 9 ≈ 822

Das tatsächlich auf einer Blu-ray vorliegende Bildformat entspricht eher 2,4:1, was eine Höhe von 800 Pixeln ergibt:

1920 ÷ 2,4 = 800

Gehen wir im Folgenden davon aus, dass das Bild minimal 800 von 1080 Pixeln hoch ist, und damit rund 74% der Leinwandhöhe einnimmt. Es bleiben 13% der Leinwandhöhe für je einen schwarzen Balken, den die Maskierung abdecken muss. Das alles aber unter der Annahme, dass deine Leinwand wirklich exakt im 16:9-Format ist und du das Bild nicht übermäßig überziehst (in den schwarzen Rahmen der Leiwand laufen lässt).

Für einen verlässlichen Wert, leg einen Film im Cinemascope-Format ein (die meisten Filme haben dieses Format) und miss an der Leinwand ab, wie breit die Balken wirklich sind. Achte darauf, dass der Beamer dabei perfekt ausgerichtet ist und gib mindestens 1 cm Puffer hinzu.

Zu bedenken sind weiterhin Filme, die im Ultra Panavision 70 Format gedreht wurden. Hier sind die Balken nochmal deutlich breiter und nehmen jeweils etwa 18% der Leinwandhöhe ein. Ein moderner Vertreter dieses Formats ist Quentin Tarantinos The Hateful Eight. Ansonsten findest du dieses Format gelegentlich bei alten Western. Wenn das für dich relevant ist, sollte die Maskierung also entsprechend weit in das Bild hinein fahren können.

Ich wollte das volle Programm, wenn ich schon eine Maskierung baue – daher habe ich für meine 203,5 cm breite Leinwand berechnet und ausgemessen, dass die Maskierung oben und unten je 20 cm ins Bild fahren muss. Damit kann ich 99 % aller aktuellen Filme abdecken. Einzig alte Schinken mit Formaten, die irgendwo zwischen 16:9 und 4:3 liegen, bekommen links und rechts noch schwarze Balken.

Montage der Maskierung an der Leinwand

Nachdem das geklärt ist, stellt sich die Frage, wie die Maskierung an der Leinwand befestigt wird. Bei einer komplett selbst gebauten Leinwand sollte das weniger ein Problem sein, denn alles lässt sich überall festschrauben – mehr oder weniger.

Ich verwende eine fertige Rahmenleinwand der Marke Visivo. Um den Wiederverkaufswert nicht zu beeinträchtigen (man weiß ja nie), wollte ich keinesfalls in den Rahmen bohren müssen – zumindest nicht im sichtbaren Bereich.

Ein schon etwas älteres Bild meiner frei hängenden Leinwand.

Hinzu kommt in meinem Fall, dass die Leinwand frei im Raum von der Decke hängt. Die Nutzung der umliegenden Wände war also ausgeschlossen, weil keine Wände da sind. Zudem durfte die Maskierung keinen allzu „fetten“ Aufbau auf die Leinwand oder um den Leinwand-Rahmen herum erzeugen. Alles sollte schön schlank bleiben, damit die Leinwand weiterhin im Raum hängen kann, ohne das Gesamtbild der Front zu stören.

Mechanische Bewegung der Maskierungsbretter

Die wahrscheinlich wichtigste Frage ist, wie die Maskierungsbretter ins Bild geschoben werden. Da sie die meiste Zeit im 21:9-Format stehen bleiben würden, sollte das die wahrnehmbare Größe der Leinwand nicht allzu sehr beeinträchtigen. Nur wenn sie komplett auf 16:9 aufgefahren wird, darf sie oben und unten weit über die Leinwand hinaus ragen.

Dazu musste ich in meinem Fall bedenken, dass dort auch genug Platz ist. Den Center musste ich dazu nach vorne ziehen. Die beiden Subwoofer waren hingegen niedrig genug, damit die Maskierung darüber noch Platz hatte. Im oberen Bereich gab es keine Probleme, weil genug Abstand zur Decke bestand.

Für die eigentliche Bewegung muss irgend eine Art Schienensystem her. Professionelle Systeme können hier ziemlich schnell ins Geld gehen und sind zudem nicht immer ganz unauffällig. Daher sollen die Schienen stabil und platzsparend sein.

Maskierungsbretter und Abstand zur Leinwand

Die Maskierungsbretter müssen für eine mechanische Lösung deutlich stabiler sein. Die „wabbelige“ Variante auf Basis von Laminatunterlage, wie ich sie für die magnetische Maskierung noch gut umsetzen konnte, würde hier nicht zum Ziel führen.

Die Schwierigkeit besteht darin, ein Material zu finden, das ausreichend dünn ist, dabei aber nicht bricht und einigermaßen formstabil bleibt (sich also nicht übermäßig durchbiegt). In Frage kommen Metall, Holz und eventuell Kunststoffe oder Plexiglas-ähnliche Materialien.

Darüber hinaus ist eine essenzielle Frage, wie nah die Maskierungsbretter an die Leinwand heran können. Bei fertigen Rahmenleinwänden mit eingebauter Maskierung wird diese häufig zwischen Rahmen und Leinwandfläche heraus gefahren oder nutzt die Rahmeninnenseite selbst als Schiene. Dafür gibt es bei einfachen Rahmenleinwänden keinen Platz. Die Maskierung muss sich also vor dem Rahmen bewegen.

Da der Rahmen um ca. 17 mm nach innen vertieft ist, bevor die eigentliche Leinwandfläche gespannt ist, entsteht so zwangsläufig ein relativ großer Abstand zwischen Leinwand und Maskierung. Dieser Abstand führt bei einem der beiden Maskierungsbretter (je nachdem ob der Projektor oben hängt oder unten steht) zu einem Schattenwurf, der definitiv sichtbar ist. Das lässt sich nur vermeiden, indem die Maskierung näher an die Leinwand heran gebracht wird. Das geht am einfachsten über eine abgeschrägte Kante, die sich zwischen den seitlichen Rahmeninnengrenzen nah an die Leinwandoberfläche heran neigt.

Fixierung der Maskierungsbretter

Weiterhin mischt sich ein physikalisches Gesetz in unsere Pläne ein: die Schwerkraft. Das obere Maskierungsbrett wird immer nach unten ins Bild herein rutschen wollen, während das untere Brett von alleine nach unten aus dem Bild heraus fährt.

Das lässt sich bereits in der Theorie sehr einfach lösen, wie wir bei der nächsten Überlegung gleich sehen werden. Wir lassen das Gewicht der beiden Bretter einfach gegeneinander arbeiten.

Dennoch sollte die Maskierung in jeder von Hand eingestellten Position verweilen können. Sie darf sich nicht selbstständig in irgend eine Richtung bewegen. Das ließe sich durch Reibung bewerkstelligen, was aber wiederum dem Wunsch nach Leichtgängigkeit entgegen steht. Theoretisch sollte das in einem Aufwasch mit dem Schwerkraft-Problem gelöst werden, aber erst der fertige Aufbau wird zeigen, welche Streiche uns die Physik hier spielt.

Mechanische Verbindung der Maskierungsbretter

Ich habe lange überlegt, ob es irgend einen Sinn haben könnte, die obere und untere Maskierung getrennt voneinander in verschiedene Positionen fahren zu können. Letztendlich kam mir nur das Untertitel-Problem in den Sinn: Die Untertitel laufen bei manchen Filmen in die schwarzen Balken rein. Aber die wenigsten Player sind in der Lage, die Untertitelposition in das 21:9-Bild zurück zu schieben. Voneinander unabhängige Maskierungsbretter würden es erlauben, die untere Maskierung wegzulassen, damit Untertitel besser lesbar bleiben. Andererseits würde ich einen Film lieber gänzlich ohne Maskierung sehen wollen, also nur oben maskiert. Daher war das Thema für mich schnell vom Tisch.

Wir können also davon ausgehen, dass die Maskierung oben und unten immer gegenläufig arbeiten. Wie an einer Achse gespiegelt, die mittig waagrecht durch das Bild führt, bewegen sich beide Maskierungsbretter immer gleichzeitig ins Bild hinein oder wieder heraus.

Das lässt sich sehr leicht realisieren, indem man sie über ein Zugseil miteinander verbindet, das im oberen Bereich über eine Umlenkrolle geleitet wird. Zieht man die obere Maskierung nach unten, zieht sie auch das Seil nach unten. Dieses läuft über die Umlenkrolle und zieht dahinter die untere Maskierung aufwärts. Umgekehrt funktioniert es genauso.

Gleichzeitig hebt sich das Gewicht der beiden Bretter so gegenseitig auf, weil jedes Brett als Gegengewicht zum anderen wirkt. Somit sollten sie auch jede beliebige Zwischenposition einfach so halten können.

Maskierung an einer Rahmenleinwand

Doch genug der grauen Theorie – kommen wir zur praktischen Umsetzung. Diese zeige ich im Folgenden am Beispiel meiner Visivo Rahmenleinwand. Meine selbst auferlegten Anforderungen – besonders im Hinblick auf Unauffälligkeit und Unversehrtheit des Rahmens – machen es dabei gewiss nicht leichter.

Lösung für das Schienensystem

Zunächst einmal müssen die Maskierungsbretter an irgendetwas befestigt werden, das sie aber gleichzeitig im vorgesehenen Bereich beweglich hält. Eine Idee, die hier und da im Netz herumgeistert, hat mich aufgrund ihrer Einfachheit besonders beeindruckt.

Drei schwarze Schubladenschienen in unterschiedlich weit ausgefahrenen Zuständen.

Schubladen-Schienen sind das ideale Hilfsmittel, um eine Maskierung auf und ab zu bewegen. Es gibt sie

  • in verschiedenen Längen von 20 bis 40 cm oder mehr,
  • in unterschiedlichen Farben, wobei Schwarz für uns die interessanteste ist,
  • zu humanen Preisen.

Dabei sind Schubladen-Schienen mit Kugellagern sehr leichtgängig und bieten perfekte Befestigungsmöglichkeiten bei ausreichend Stabilität. Die Schienen sollten dreiteilig sein, was es ermöglicht, dass sie sich auf das Doppelte ihrer eigentlichen Länge ausziehen lassen. Ich habe Schubladenschienen mit 20 cm Länge verwendet.

Die Animation zeigt Maskierungsbretter, die sich am oberen und unteren Rand der Leinwand nach innen und außen bewegen. Als Befestigung sind dreiteilige Schubladenschienen angedeutet.
Schubladenschienen als Lösung für die Bewegung der Maskierung

Letzteres hat allerdings auch den kleinen Nachteil, dass es irgendwann während diesem Vorgang einen kurzen Ruck bzw. Widerstand gibt, sobald der Mittelteil vollständig aus- oder eingefahren ist. Das tut aber der Genialität dieser Lösung keinen Abbruch.

Lösung für die Befestigung

Im einfachsten Fall schraubst du also die Schubladen-Schienen auf den Rahmen der Leinwand und darauf die Maskierung. Bei einer Selbstbau-Leinwand, wo du die Seiten anschließend irgendwie kaschieren kannst, bist du dann praktisch schon fertig. Da bei mir eine Kaschierung nicht möglich war, musste ich etwas weiter gehen.

Die erste Idee war, die Schienen seitlich an den Rahmen zu schrauben. Daran würde sich ein U-Profil in der Länge der Schiene befestigen lassen, das dann ein Stück außen um den Rahmen herum läuft. (Bei einer Rahmenleinwand mit direkter Wandmontage würde auch ein L-Profil genügen.) Am vorderen Ausläufer des Profils könnte die Maskierung befestigt werden. Der hintere Ausläufer wäre ideal dafür das Seil für den Zug der Maskierungen anzubringen.

Allerdings musste ich mir generell noch etwas ausdenken, wie ich Umlenkrollen und andere Dinge an der Leinwand befestigen konnte. Zwei Löcher auf jeder Seite oben und unten in der Seite des Rahmens hätte ich zwar noch hingenommen, aber wenn es anders geht, bevorzuge ich das.

Auf der Rückseite hat der Aluminium-Rahmen der Visivo-Leinwand innen eine kleine Kerbe. Die ist knapp 4 mm breit und 7,5 mm tief. Zuerst dachte ich daran, irgend eine Halterung darin festzuklemmen oder notfalls zu kleben, um so an den erforderlichen Stellen Befestigungsmöglichkeiten zu schaffen.

Blick auf die Rückseite der Leinwand. Das U-Profil ist vollständig nach oben gefahren, wobei die Schubladenschiene sichtbar wird. Ein Seil mit Umlenkrolle oben hält das U-Profil in Position.

Dann kam mir aber eine wesentlich einfachere und flexiblere Idee: Ich ließ mir im Baumarkt einige 3 mm starke Möbelrückwandplatten zusägen. 20 cm breit (10 cm hätten auch gereicht) und so lang wie der Rahmen innen hoch ist zzgl. 2 × 7 mm für die Tiefe der Kerbe.

Diese Platte konnte ich durch leichtes Durchbiegen oben und unten in die Kerbe einfädeln und sie dann darin wie in einer Schiene zur Seite schieben. Dort findet sie über die komplette Höhe der Leinwand in der seitlichen Kerbe Halt. Das ging schon recht stramm und ich musste mit dem Hammer nachhelfen. Von alleine rutscht das garantiert nicht raus.

Mit dieser Rückwandplatte hatte ich nun alle Möglichkeiten offen, an beliebigen Stellen beliebige Dinge anzuschrauben. Und das alles, ohne dass irgendwas davon von vorne sichtbar wäre.

Lösung für die Maskierungsbretter

Die Schienen konnten ich also auf die Rückseite verlegen und mir so das Bohren in den Rahmen sparen. Die Lösung mit den U-Profilen, die daran befestigt werden, funktioniert trotzdem. Nur werden diese jetzt eben hinten an einem Seitenteil des Profils gehalten, während das Maskierungsbrett vorne am anderen Seitenteil hängt.

Die Frage war nun viel mehr: Was nehme ich als Maskierungsbrett und wo finde ich passende U-Profile?

U-Profile

Es gibt zwar U-Profile in allen denkbaren Größen, jedoch meist nur in 2 m Länge – mit etwas Glück auch mal nur 1 m lang. Wenn du des Trennschleifens mächtig bist, kannst du da vielleicht ein paar Stücke in der passenden Länge zurechtschneiden. So richtig viel Spaß soll das aber angeblich nicht machen, und eine perfekte Kante wird es wohl auch nicht. Zum Schluss müssten die Teile noch schwarz lackiert werden.

Schematische Darstellung der Aufhängung der Maskierung

Zum Glück ist mir aber noch eine bessere Lösung eingefallen. Ich habe die Teile einfach aus einem 3D-Drucker rausgelassen. Da zahlt es sich aus, wenn man jemanden kennt, der so ein Teil hat. Die Grundform des Profils konnte ich maßgenau in einem Grafikprogramm erstellen. Die wurde dann einfach in der 3D-Software auf 20 cm Höhe extrudiert und 4 Mal gedruckt (was schon mal dauern kann). Auf der Vorderseite habe ich gleich eine Vertiefung vorgesehen, in der später das Maskierungsbrett eingelegt und verschraubt wird.

Maskierungsbretter

Für die eigentlichen Maskierungsbretter standen auch wieder verschiedene Materialien zur Auswahl. Die 3 mm starke Möbelrückwandplatte wäre bei Holz wohl in Frage gekommen, ebenso vielleicht ein Sperrholz (bei geringerem Gewicht aber höherem Bruchrisiko). Die abgeschrägte Kante, die sich entlang der Innenseite in Richtung Leinwand neigen sollte, hätte ich von hinten mit kleinen Holzpyramiden verschrauben können, um anschließend die Vorderseite mit der Fuge zu verspachteln und zu schleifen. Das wäre ziemlich viel Arbeit mit offenem Ergebnis gewesen.

Daher entschied ich mich, lieber etwas tiefer in die Tasche zu greifen und die Teile bei einer örtlichen Schlosserei pass-genau aus 1,5 mm starkem Aluminium anfertigen zu lassen. Das hat zwar mit 250 € zu Buche geschlagen, ist aber in Punkto Genauigkeit und Stabilität kaum zu überbieten.

Zwei Aluminium-Maskierungsbretter im Rohzustand. An den Enden sind Löcher für die Befestigung vorgebohrt. Eine abgeschrägte Kante auf einer Seite neigt sich später zur Leinwand hin und verhindert so Schattenwurf.

Um zum gewünschten Ergebnis zu kommen, sollten die U-Profile bereits an der Leinwand hängen und sich bewegen können. Du kannst noch so genau planen, messen und rechnen – in der Realität wird der eine oder andere Millimeter fehlen. Damit die Maskierung am Ende richtig leichtgängig ist, dürfen die beweglichen Teile nicht verzogen („passend gemacht“) werden.

Für den beauftragten Schlosser habe ich eine Zeichnung angefertigt, die den Aufbau der Teile genau darstellt – inklusive Bemaßung in allen Einzelheiten, versteht sich. Auch die Löcher für die Befestigung waren gleich vorgesehen, denn so genau könnte ich wahrscheinlich nicht bohren. Die Teile wurden nach diesen Vorgaben per Laser geschnitten. Der Vorgang zum Fertigen der schrägen Kante nennt sich „abkanten“.

Oberfläche

Als nächstes musste die Oberfläche noch schwarz und reflexionsarm gestaltet werden. Folgende Varianten kamen hierfür in die engere Auswahl:

  • pulverbeschichten durch die Schlosserei
  • selbst lackieren (Sprühlack oder Pinsel)
  • schwarz eloxieren lassen
  • mit Velour-Folie beziehen

Die ersten drei Varianten hatte ich durchaus in Betracht gezogen, da sie auch die Lesbarkeit für Untertitel verbessern würden, die in die Balken laufen. Letztendlich habe ich mich aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden:

  • pulverbeschichten hätte fast nochmal so viel gekostet, wie die Maskierung selbst
  • selbst lackieren bekomme ich nicht so schön hin, dass es mir gefällt (ich habe keine allzu guten Erfahrungen mit Sprühlack auf großen Flächen gemacht)
  • schwarz eloxieren habe ich zunächst nicht weiter verfolgt bzw. mir kein Beispiel für das Endergebnis gesucht
Eine 30 cm breite Rolle schwarze Velour-Folie, teilweise auf dem Boden ausgerollt.

Zudem war mir eine wenig reflektierende Schicht dann doch wichtig, weil so die Maskierung nicht immer zu 100% exakt eingestellt werden muss (was auch gar nicht geht). Sonst könnte man den Bildrand sehr deutlich erkennen, sobald das Bild minimal überzogen ist.

Zugeschnittene Velour-Folie mit einem Maskierungsbrett aus Aluminium darauf, bereit zum Bekleben.

Die erforderliche Velourfolie in passender Länge kannst du günstig bei Leinwandbau.info bestellen. Die insgesamt 4,40 m kosteten in 30 cm Breite 22 €. Das Beziehen der Bleche ging relativ gut – zumindest sind Probleme nicht durch die Bleche aufgetreten. Das beste Ergebnis hatte ich, indem ich die Bleche auf den Boden legte und die Folie mit der Klebeseite nach unten auf diese aufklebte. Jemand muss die Folie straff im schrägen Winkel nach oben halten, während du sie Zentimeter für Zentimeter aufstreichst. So bilden sich keine Luftblasen.

Befestigung der Bretter an den U-Profilen

Zuletzt müssen die Maskierungsbretter noch irgendwie an die U-Profile. Da beide möglichst eng am Rahmen anliegen sollten – dazwischen sind nur etwa 2–3 mm Platz – brauchte ich eine platzsparende Lösung. Auch von vorne sollten keine allzu großen Schraubenköpfe sichtbar sein.

Einige Buchschrauben in verschiedenen Positionen, teilweise verschraubt.

Die Lösung hierfür war relativ banal: sogenannte Buchschrauben werden normalerweise zum Binden von Speisekarten, Präsentationsmappen oder Musterfächern verwendet. Hier missbrauchen wir sie als Schraubverbindung mit beidseitig sehr flachen Köpfen.

Die Innenlänge der Schrauben beträgt 3,5 mm. Das machte neben 1,5 mm Aluminium und 1,5 mm Stärke des U-Profils an dieser Stelle nur noch eine Unterlegscheibe an der Rückseite erforderlich. Die Löcher müssen 5, besser 6 mm Durchmesser haben.

Die untere Maskierung an einer Leinwand

Und weil ich das öfter höre: ja, die Schraubenköpfe sind mittlerweile mit Sprühlack schwarz gefärbt. Ich habe sie nur zur besseren Verdeutlichung für die Fotos so gelassen.

Lösung für Fixierung und mechanische Verbindung

Den nun folgenden letzten Schritt führst du besser sogar noch vor der Montage der Maskierungsbretter aus. Ich habe das nur der Dramaturgie wegen nach hinten genommen. Mit Brettern ist die Maskierung relativ schwer – beide Teile sollten von selbst bis ganz nach unten fahren.

Die obere Ecke der Leinwand mit Blick auf das U-Profil, das um den Rahmen herum führt, gehalten von einer Schubladenschiene auf der Rückseite.

Damit sie in jeder beliebigen Position stehen bleiben, gibt es den schon erwähnten simplen Trick: Verbinde beide Teile jeweils links und rechts mit einem Zugseil und lass das oben über eine Umlenkrolle laufen. Dadurch hängen die Maskierungsbretter wie ein T-Shirt über der Wäscheleine: ziehst du die eine Seite runter, fährt die andere hoch, und umgekehrt.

Der Trick dabei ist, dass die Umlenkrollen

  • möglichst nah am U-Profil ist, wo das Zugseil befestigt wird, damit das Seil möglichst immer halbwegs parallel zur Zugrichtung verläuft
  • sich über dem höchstmögliche Punkt der Befestigung befindet.

Letzteres ist ausschlaggebend, damit das funktioniert. Das Seil muss an der inneren (der Mitte zugewandten ) Ecke des Profils befestigt werden, damit die Maskierung nach außen über den Rand der Leinwand hinaus gezogen werden kann. Das hängt stark vom Einzelfall ab. Fertige eine Zeichnung für deinen speziellen Fall an, dann siehst du es.

Die Animation zeigt Maskierungsbretter, die sich am oberen und unteren Rand der Leinwand nach innen und außen bewegen. Es besteht eine Verbindung durch einen Seilzug, der über eine Umlenkrolle nahe der Oberkante des Leinwandrahmens geführt wird.
Verbindung der Maskierungsbretter durch einen Seilzug, der über eine Umlenkrolle geführt wird

Als Umlenkrollen habe ich kleine Rollen aus meinem alten Metallkbaukasten verwendet. Gut, wenn man sein Spielzeug aufgehoben hat! Das ist fast schon wie cheaten, denn so muss ich nicht erklären, welche Rollen du am besten kaufst. Ich bin sicher, der Baumarkt deiner Wahl oder der nächstgelegenen Online-Tante-Emma-Laden hat ein paar schicke Rollen, Schrauben und Muttern, die du dafür verwenden kannst.

Während die U-Profile mit Seilverbindung aber ohne Maskierungsbretter bei mir noch dazu neigten, ein Stück weit davon zu fahren (wohl wegen unterschiedlicher Leichtgängigkeit je nach Position), steht die Maskierung im fertigen Zustand nun in jeder Position still. Sie scheint genug Masse zu haben, um sich nicht von selbst zu verstellen. Somit ist auch keine Fixierung nötig.

Lessons learned & Minuspunkte

Wie bei jedem Projekt dieser Art findet man hinterher etwas, das man besser anders gemacht hätte. In meinem Fall war jetzt nichts gravierendes dabei, das mich dazu veranlassen würde, alles nochmal runter zu reißen. Ich teile an dieser Stelle nur meine Erfahrungen, damit du sie mit in deine Überlegungen einfließen lassen kannst.

Maskierungsbretter biegen sich leicht durch

Durch das Abkanten der inneren Schräge um 45° biegen sich die Maskierungsbretter minimal nach vorne durch. Wenn sie auf dem Boden liegen, werden sie vom Gewicht des Aluminium flach gehalten, aber in aufrecht montiertem Zustand sind sie leicht krumm. Das ist nicht viel, sorgt aber doch für eine leichte Wölbung nach vorn in der Mitte der Leinwand. Im Filmbetrieb ist es nicht sichtbar.

Die Lösung wäre eine um volle 90° abgekantete Seite, die zur Stabilisierung dient. Das hatte ich erst für die Außenkanten in Erwägung gezogen, es dann aber verworfen, weil diese Kanten auch vor den Rahmen der Leinwand fahren müssen. Das hätte zusätzliche 6 mm Abstand gekostet.

Schubladenschienen haben zu viel Spiel

Die Schubladenschienen können sich im ausgefahrenen Zustand um etwa 2 mm vor und zurück bewegen. Das tun sie zwar nicht einfach so, aber durch das Gewicht der Maskierungsbretter wird das gesamte Gebilde immer nach vorne gezogen. Das heißt konkret: die obere Maskierung wird an der Bildkante etwas in Richtung Leinwand gedrückt, die untere wird davon weggezogen.

Das ist zwar etwas unschön, aber nicht wirklich störend. Im Gegenteil, oben wird dadurch der Schattenwurf sogar verringert. Unten stört es nicht weiter, weil dort kein sichtbarer Schatten entsteht, wenn der Projektor oberhalb der Bildmitte hängt.

Ich sehe keinen zwingenden Grund, etwas dagegen zu unternehmen – gerade im Hinblick auf die geringen Kosten dieser Lösung. Trotzdem würde ich beim nächsten Mal vielleicht noch nach alternativen Schienensystemen Ausschau halten oder einfach längere Schubladenschienen verwenden.

Maskierung verkantet bei einseitigem Verschieben

Das ist ein Effekt, der sich zwangsläufig aus der seitlichen Aufhängung der Maskierung ergibt: versucht man, sie an einem Seitenteil zu bewegen, verkantet sie nach einem kurzen Stück (die andere Seite fährt nicht mit). Die Maskierung muss zwingend halbwegs in der Mitte oder mit zwei Händen gezogen werden.

Da ich die Mechanik gänzlich im Hinblick auf eine spätere Motorisierung entwickelt habe, stört mich das kein Bisschen.

Für eine dauerhafte manuelle Lösung gibt es eine theoretische Lösung: zwei zusätzliche Zugseile, die über weitere Umlenkrollen geleitet werden, bewegen bei Verschiebung der einen Seite die andere gleich mit. Ob das in der Praxis wirklich funktioniert, habe ich nicht ausprobiert.

Bei der Umsetzung einer mechanischen Maskierung ist vor allem eines gefragt: Einfallsreichtum. Wann immer du eine kleine Teillösung erarbeitet hast, und dir diese ziemlich aufwendig oder komplex erscheint, denke einfacher! Specke die Lösung ab, bis sie auf das Nötigste heruntergebrochen ist. Alles muss klar, solide und aus so wenigen Einzelteilen wie möglich gebaut sein – dann funktioniert das. Und ganz wichtig: lass dir Zeit dafür, überstürze es nicht.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Leinwand lässt sich in wenigen Sekunden anders maskieren, jede beliebige Zwischenposition ist genau anfahrbar und die Maskierungsbretter müssen nirgends mehr aufgeräumt werden.

Im nächsten Schritt machen wir uns dann Gedanken über eine mögliche Zugmechanik und sehen uns an, wie wir das ganze motorisieren können.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

10 Gedanken zu „Mechanische Leinwand-Maskierung: Anforderungen und Eigenbau

  1. Da hast Du Dir aber sehr viel Arbeit gemacht um etwas Zeit einzusparen. Vor dieser Frage stand ich auch einmal. Wie Du schon schreibst, ist jedes Kino individuell und bedarf einer eigenen Betrachtung hinsichtlich der sinnvollen Maskierung. Die Verschiebbarkeit ist natürlich ein besonderes Schmankerl Deiner sehr guten Arbeit. Ich wünsche Dir viel Freude damit.
    P.S.
    Bei mir wird das irgendwann auch einmal angegangen. Ich suche aber noch nach einer Lösung, da ich nicht nach oben verschieben kann, daher habe ich ja Klappen, die jedoch in 30 Sek. heruntergeklappt sind.
    Viele Grüße
    Charly

  2. Hi Bert!

    Nachdem ich am Wochenende die nach dem letzten Umbau immer noch weißen Wände geschwärzt habe, treten jetzt die Balken oben und unten um so deutlicher hervor 🙂 Deshalb wird die Maskierung bei mir eins der nächsten Projekte sein, allerdings weiß ich noch nicht genau, wie ich es umsetzen kann, da die (Rollo-)Leinwand nicht direkt an der Wand hängt. Derzeitiger Favorit sind zwei Pfosten links und rechts (hinter Vorhang versteckt), in die ich die Maskierungsbretter dann einhängen kann in der entsprechenden Höhe. Bisher manuell angedacht, aber ich werde mir mal ein paar Gedanken machen, ob sich das auch irgendwie mit etwas weniger dran/ab dran/ab realisieren lässt. Deine Lösung ist cool, könnte bei mir aber am Platz scheitern. Von der Seite wäre noch eine Möglichkeit, wo ich gerade so drüber nachdenke 🙂

    Viele Grüße,
    Marco

          1. Reinfahren ist bei meiner manuellen Leinwand aber ein bisschen tricky. Wenn sie einmal ausgefahren ist, kommt beim nächsten Zug nur einrollen in Frage. Muss ich noch mal testen, aber derzeit kommt sie mir da nicht sehr flexibel vor.

          2. Ja, wenn sie keine speicherbare Zwischenposition kennt, ist das sehr unpraktisch. Vielleicht geht eine manuelle Lösung, die irgendwie um den Rand herum geklemmt wird?

  3. Ich hab jetzt erst mal meine Lösung von Beitrag 1 umgesetzt, sprich Pfosten links und rechts, Metallplatte drauf und Maskierungsbretter mit Magneten versehen, die man dann ziemlich easy dran und abmachen kann. Verstauen kann ich sie hinter der Bühne, das ist also auch gebongt. Und ich konnte sogar meine alten Maskierungsbretter (mit ihren Unzulänglichkeiten hinsichtlich Verklebung des d-c-fix weil erster Versuch… ;-)) weiter benutzen, musste nur unten und oben tauschen 🙂

    Aber das mit dem um den Rand herum klemmen nehm ich mal mit, vielleicht geht es damit dann etwas eleganter. Schauen wir mal.

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