Serie Pausenmusik im Heimkino (Teil 1 2 3)

Pausenmusik vom USB-Stick und anderen Quellen wiedergeben

Bei Pausenmusik kommt es nicht nur darauf an, welche Musik du laufen lässt, sondern auch wie. Die Wiedergabe muss einfach und effizient funktionieren, sie darf die sonstige Nutzung des Heimkinos nicht stören. Auf Tonqualität kommt es hingegen nicht so sehr an.

Yamaha-Receiver mit USB-Stick

Das erlaubt es dir, nahezu jeden Player oder jede andere Quelle für Musik anzuzapfen – am besten eine, die du sonst nicht benötigst. Ich vergleiche hier verschiedene Quellen für Pausenmusik und gehe auf USB als brauchbare und moderne Alternative näher ein.

Womit Pausenmusik abspielen?

Das schöne an etwas so nebensächlichem wie Pausenmusik ist, dass du so ziemlich jede Quelle dafür nutzen kannst – auch (oder gerade) wenn diese nur analog angeschlossen wird. Das ist ganz nebenbei eine gute Gelegenheit, alte Komponenten weiter zu nutzen und sich an ihrem historischen Charme zu erfreuen.

CD-Player

Ein alter CD-Player, der längst von Streaming und Netzwerk abgelöst wurde, kann oft noch für Pausenmusik herhalten. Eine CD mit passender Musik kannst du dir leicht selbst zusammenstellen. Zur Steuerung musst du meist nicht viel mehr tun, als ihn einzuschalten. Das geht zur Not auch über eine Funksteckdose.

Nachteile sind die etwas eingeschränkte Musikauswahl von ca. 20 Titeln und das möglicherweise hörbare Laufwerksgeräusch.

MiniDisc-Player

Vielleicht hast du noch so ein Stück Musikgeschichte ungenutzt herumstehen. MiniDisc braucht heute kein Mensch mehr, aber wer sich damit befasst hat, weiß genau, was für schöne Erinnerungen es hervorruft, eine eigene Musikzusammenstellung aufzunehmen. Im Longplay-Modus passt da auch mehr drauf, als die üblichen 80 Minuten.

Den Aufwand dafür kann man aber durchaus auch als Nachteil sehen, ebenso das Gerät überhaupt noch vorhalten zu müssen.

Sprachassistenten

Wer Alexa & Co. einsetzt, wird wahrscheinlich auch darüber Musik streamen. Ein Echo Dot lässt sich zum Beispiel per Klinkenstecker analog anschließen, wobei auch gleich die Sprachausgabe nur noch über das Kabel erfolgt. Die Einbindung ist in jedem Fall eine Überlegung wert. Ein einfacher Sprachbefehl lässt sich zur Wiedergabe von Pausenmusik sicher auch finden.

Netzwerk

Wer ein NAS oder einen anderen Netzwerkspeicher betreibt, kann Pausenmusik direkt über LAN oder WLAN abspielen. Das ist besonders komfortabel und erleichtert die Auswahl anderer Musik erheblich.

Nachteil dieser Lösung ist die Abhängigkeit von der Netzwerkquelle. Außerdem ist es bei diesen „neumodischen“ Musikquellen oft schwieriger, die notwendigen Steuerbefehle in Makros einzubinden, wie wir gleich noch sehen werden.

USB-Stick oder -Festplatte

Ähnlich umständlich in der Handhabung sind USB-Medien. Fast jeder AV-Receiver hat heute einen USB-Anschluss und kann über diesen Musik wiedergeben. Hier ergibt sich jedoch der Vorteil, dass die Musik fast schon in den AV-Receiver „eingebaut“ ist und somit keinerlei Abhängigkeiten von der Verfügbarkeit des Netzwerks besteht. Gleiches gilt für Speicherkarten.

Deshalb sehen wir uns diese Lösung im Folgenden etwas genauer an und beleuchten typische Probleme. Einiges davon lässt sich auch auf analoge Quellen übertragen.

Pausenmusik vom USB-Stick abspielen

Was kann so schwer sein, vor dem Film ein bisschen Musik vom USB-Stick abzuspielen? Nun, abgesehen von einem nahtlosen Übergang zum Film, auf den ich nochmal separat eingehen werde, gibt es ein paar kleine Probleme in der praktischen Anwendung.

  • Der USB-Anschluss an der Rückseite mancher AV-Receiver dient oft nur als Stromlieferant, kann aber keine Speichermedien einlesen. Ein USB-Stick wird nur erkannt, wenn man ihn an der Front anschließt. Das ist vielleicht mal hässlich!
  • Musik von USB oder Netzwerkquellen kann über den AV-Receiver nur relativ umständlich wiedergegeben werden, indem man sich durch die Ordnerstruktur hangelt. Ein einfaches Play wie bei einer CD ist nicht immer möglich.
  • Die Wiedergabe von MP3 oder Netzwerkinhalten startet häufig nur durch direkte Auswahl eines Titels. Bei der Automatisierung oder blindem Bedienen ist das letztendlich immer der erste Titel. Auch wenn Zufallswiedergabe eingestellt ist, wird der erste wiedergegebene Titel also immer der selbe sein.
  • Wenn der Receiver auf Filmlautstärke steht, ist die Musik zu laut. Pausenmusik muss deutlich leiser sein. Eine externe, analog angeschlossene Quelle kann ihre Lautstärke oft selbst regeln. Der AV-Receiver kann aber den USB-Stick-Eingang nicht nennenswert herunter regeln und merkt sich auch dessen bevorzugte Lautstärke-Einstellung nicht separat.

Für diese Probleme, die nicht zwingend auf jede Kombination von Geräten zutreffen muss, will ich hier einfache Lösungen liefern. Mich beschleicht öfter das Gefühl, dass gerade solche Details der Grund sind, weshalb manch einer zwar ein schönes Heimkino hat, aber auf kleine Details wie Pausenmusik lieber verzichtet.

Den passenden USB-Stick finden

Niemand würde vermuten, dass von diesem winzigen USB-Stick im AV-Receiver die Pausenmusik abgespielt wirdDa ich bei Yamaha den USB-Stick bisher immer an der Front anschließen musste, war ein entsprechend unauffälliges Modell nötig. Dafür eignet sich sehr gut der Intenso Slim Line USB-Stick, der kaum größer als der Stecker selbst ist. Es hängt gerade noch genug mit dran, um etwas zum Greifen zu haben, wenn man ihn mal vom Gerät trennen will.

Ich habe die Variante mit 16 GB gewählt, weil es preislich kein großer Unterschied zu weniger Speicher ist. Darauf ist reichlich Platz für Musik.

Micro-USB-Stick in der Seitenansicht.
Die untere Kante des USB-Sticks ist schräg abgefeilt.

Bei der RX-V-Reihe von Yamaha (oben) liegt der USB-Anschluss etwas vertieft. Dadurch gestaltet sich das als fummelig, aber machbar. Der Stick ist so völlig unauffällig – man könnte denken, er gehört zum Gerät dazu.

Bei den RX-A-Modellen befindet sich der USB-Anschluss hinter einer Klappe an der Front. Okay, das ist schon eher interessant. Der Stick hat genug Platz hinter der Klappe. USB-Stick hinter der Front-Blende eines AV-Receivers eingesteckt.Er bleibt aber hängen, wenn die Klappe bei ungefähr 45° steht – also gekippt wird. Das lässt sich in diesem Fall mit einer Feile lösen: die untere Ecke des Sticks wird einfach schräg abgefeilt, bis nichts mehr schleift. Keine Angst: der Speicher sitzt sehr weit vorne im Stick – du feilst dir keine Bits weg.

Steuerung der Pausenmusik

Wie du die Pausenmusik am besten startest, hängt stark vom AV-Receiver ab. Viele Geräte bieten heute die Möglichkeit, Favoriten festzulegen, die sich dann mit wenigen Tasten aufrufen lassen.

Einige AV-Receiver machen es dir einfach, weil sie für USB eine Autostart-Funktion haben. Sobald du den USB-Eingang wählst, wird die Musik automatisch fortgesetzt. Andere Geräte erfordern einen manuellen Start.

In jedem Fall solltest du eine Universalfernbedienung oder andere Steuerzentrale einsetzen, um die Pausenmusik vollständig zu automatisieren. Viele Fernbedienungen erlauben Makros zur Automatisierung mehrerer Befehle – das lässt sich nutzen. Im Zuge der verschiedenen Phasen im Kinoablauf könntest du zum Beispiel folgendes ausführen:

  • Filmvorbereitung: AV-Receiver einschalten, USB-Eingang wählen, 1 x nach unten, OK (damit startet der erste Titel auf dem Stick)
  • Filmstart: USB Stop (da die Musik sonst später an der selben Stelle fortgesetzt würde)
  • Filmende: USB-Eingang wählen, OK (1 x nach unten ist hier vielleicht nicht nötig, da der Titel noch ausgewählt ist)

Ob du mit dem Cursor 1 x nach unten gehen musst, oder öfter, oder gar nicht, hängt vom Dateisystem des USB-Sticks ab. Befindet sich am Anfang vielleicht noch ein Verzeichnis oder mehrere? Du musst zum ersten Musiktitel gelangen, so als würdest du den AV-Receiver manuell steuern.

Das Stoppen der Musik zum Filmbeginn ist deshalb erforderlich, weil der aktuelle Titel sonst im Pause-Modus verbleibt, so lange ein anderer Eingang gewählt ist. Wenn du willst, dass die Musik nach dem Film mitten im Titel weiter geht, wo sie aufgehört hat, kannst du das einfach weg lassen. Eigentlich käme das vielen Kinos sogar näher, weil einige über eine zentrale Musikquelle in allen Sälen verfügen, die bei Bedarf zugeschaltet wird. Aber warum soll man es nicht besser machen?

Zwischen den einzelnen Befehlen werden bei Bedarf entsprechende Pausen eingebaut, damit der Receiver auf die Eingaben reagieren kann. Bei der ersten Eingangswahl wird das Dateisystem des Sticks eingelesen, was schon mal ein paar Sekunden dauert. Ein wenig Puffer gibt man besser auch dazu. Daher ist es völlig normal, dass ein vollständiges Makro mal 15 Sekunden oder länger läuft.

Einmal richtig eingerichtet läuft so ein Makro immer perfekt durch und nimmt einem eine Menge immer gleicher Tastenfolgen ab.

Zufällige Wiedergabe ab dem ersten Titel

Wenn der AV-Receiver keinen automatischen Start bei einem zufälligen Titel unterstützt, wird mit so einem Makro immer das erste Lied auf dem Stick ausgewählt und gestartet. Das wird sehr schnell eintönig, zumal meistens nicht viel mehr als ein Lied läuft, bis der Film anfängt (außer es sind Gäste da, die erstmal in Ruhe staunen müssen). Sobald der Titel zuende ist, sorgt die Zufallswiedergabe dafür, dass der nächste Titel eben zufällig gewählt wird.

Die Lösung, dass schon der erste Titel zufällig gewählt wird, ist gleichermaßen einfach wie blöd: Ich habe ein MP3-File mit 0,5 Sekunden Dauer und absoluter Stille erstellt. Durch einen entsprechenden Dateinamen wie etwa __Pausenmusik.mp3 sorge ich dafür, dass dieser „Titel“ in jedem Fall der erste ist, der vom Receiver aufgelistet wird. Es wird also immer zuerst dieser Titel wiedergegeben und sofort danach zufällig was richtiges ausgewählt.

Lautstärke anpassen

Pausenmusik sollte leise sein, damit man sich vor dem Film noch unterhalten kann. Der Film soll allerdings laut sein. Du kannst dir zwar mit einer Universalfernbedienungen das tollste Filmstart-Makro basteln, aber du wirst es mit einfachen Mitteln nicht schaffen, die Lautstärke mit einem einzigen Befehl von z. B. 30 auf 70 (oder -55 dB auf -20 dB) zu stellen. Dafür müsstest du an die Netzwerk-API des AV-Receivers ran, was mehr oder weniger kompliziert ist (hier ein Beispiel für Yamaha).

Du brauchst also einen Wechsel von Pausenmusik zu Film und wieder zurück, bei dem du nicht die Lautstärke verändern musst. Mit analogen Zuspielern, wie etwa einem alten CD-Player, ist das oft einfach, wenn dieser einen separaten Regler für die Ausgangslautstärke hat. Für USB- und Netzwerkquellen gibt es diese Möglichkeit in der Regel nicht.

Auch der AV-Receiver selbst bietet meist nur geringe Lautstärkekorrekturen für jeden Eingang an, etwa ±6 dB. Das genügt nicht.

Bei hoher Lautstärke-Einstellung ist daher die einzige Möglichkeit, die Musik leiser wiederzugeben, die MP3-Dateien selbst leiser zu rechnen. Das sollte einerseits möglichst verlustfrei und andererseits schnell geschehen. Die Titel einzeln mit einem Audio-Editor zu bearbeiten kommt also nicht in Frage. Es sollte halbwegs automatisch ablaufen, um es bei Bedarf schnell wiederholen zu können.

Bei meiner Suche nach einem passenden Tool bin ich auf MP3Gain gestoßen. Die Software bietet einen Befehl, mit dem ein ganzer Ordner mit MP3-Dateien gleichmäßig leiser gerechnet wird. Interessant ist, dass die Audio-Daten selbst dabei unberührt bleiben. Es wird nur ein ID3-Tag in der Datei angepasst, weshalb das ganze völlig verlustfrei verläuft und sogar rückgängig gemacht werden könnte.

Mit dem folgenden Befehl auf der Kommandozeile werden alle im aktuellen Verzeichnis vorhandenen MP3-Dateien entsprechend verarbeitet:

mp3gain /g -23 *.mp3

Kopiere dir die gewünschten MP3-Dateien vorher in einen separaten Ordner, damit die Originale erhalten bleiben. Das Programm verändert die Dateien direkt, ohne eine Kopie anzufertigen.

Die Zahl -23 gibt an, wie stark die Lautstärke verringert wird. Wie es nachher wirklich raus kommt, musst du ausprobieren. Das hängt ja auch von deinen persönlichen Vorlieben und der Filmlautstärke am AV-Receiver ab. Brauchbare Ergebnisse gibt es wahrscheinlich mit Werten zwischen -18 und -28.

Die überarbeiteten Dateien kommen schließlich auf den USB-Stick. Und ab sofort gibt der Receiver leise Pausenmusik wieder, obwohl die Lautstärke auf krachende -20 dB eingestellt ist (oder was auch immer bei deinem Verstärker und Raum die optimale Lautstärke für Filme sein sollte).

Und schon musst du nicht mehr an der Lautstärke drehen, sobald der Film beginnt.

Besonders faule Filmvorführer schreiben sich übrigens ein Batch-Script:

  1. kopiere die gewünschten Titel aus der Musiksammlung in ein anderes Verzeichnis
  2. wende mp3gain auf alle Titel an
  3. verschiebe die geänderten Dateien auf den USB-Stick

Ich hoffe, ich konnte in diesem Beitrag ein paar Ideen vermitteln, wie Pausenmusik in deinem Heimkino praktikabel umzusetzen ist. Sicher musst du die vorgestellten Lösungswege auf deine Bedürfnisse anpassen – exakte Kopien der hier vorgestellten Ansätze werden selten funktionieren. Jetzt solltest du aber zumindest ein paar Ideen haben.

In einem weiteren Artikel gehe ich näher darauf ein, wie man einen sauberen – nein, perfekten – Übergang von der Pausenmusik zum Film erreicht.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

3 Gedanken zu „Pausenmusik vom USB-Stick und anderen Quellen wiedergeben

  1. Hallo Bert, vielen dank für diesen super Tipp! Da hast du dir echt Gedanken gemacht.
    Absolut gelungene Seite, fehlerfrei geschrieben und schicke Grafiken und Fotos.

    Man merkt dass du hier viel Zeit und Arbeit investiert hast. Bitte weitermachen, ich bin jetzt öfters hier. 😉

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