Pausenmusik im MP3-Format vom USB-Stick

Ich will das Thema Pausenmusik hier noch mal von hinten aufrollen. Da Pausenmusik das Mittel Nummer 1 für echte Kino-Atmosphäre ist, will ich Euch meine Erkenntnisse mit dem neuen Receiver nicht vorenthalten. Inzwischen habe ich nämlich eine Lösung gefunden, mit der ich sehr gut leben kann.

Yamaha-Receiver mit USB-Stick

Meinen alten CD-Player habe ich inzwischen abgeklemmt, weil mir die Auswahl der Titel auf einer CD einfach nicht mehr abwechslungsreich genug ist. Häufiges Wechseln der Scheibe war aufgrund eines nervigen Defekts mit dem CD-Fach keine Option. Das Laufwerk war deutlich hörbar, besonders beim Stoppen, wenn der Film beginnt. Und überhaupt, CDs sind doch sowas von 90er!

Hier zuerst nochmal die grundlegenden Probleme von MP3 als Pausenmusik, damit Ihr wisst, weshalb ich deshalb so einen Wirbel mache:

  • Musik von USB kann über den Receiver nur relativ umständlich wiedergegeben werden, indem man sich durch die Ordnerstruktur hangelt. Ein einfaches Play wie bei einer CD ist nicht möglich.
  • Die Wiedergabe von MP3 startet beim Yamaha immer durch direkte Auswahl eines Titels, was bei Automatisierung oder blindem Bedienen letztendlich immer der erste Titel ist. Andere Receiver verhalten sich da wahrscheinlich ähnlich. Auch wenn Zufallswiedergabe eingestellt ist, wird der erste wiedergegebene Titel also immer der selbe sein.
  • Wenn der Receiver auf Filmlautstärke steht, ist die Musik zu laut. Pausenmusik muss deutlich leiser sein, was bisher der CD-Player regeln konnte. Der Receiver kann den USB-Stick-Eingang nicht nennenswert herunter regeln und merkt sich auch dessen bevorzugte Lautstärke-Einstellung nicht separat.
  • Und noch was Yamaha-spezifisches: der USB-Anschluss an der Rückseite des Geräts scheint keine Speichermedien zu akzeptieren. Ein USB-Stick wird nur erkannt, wenn man ihn an der Front anschließt. Hässlich!

Für diese vier Punkte muss eine Lösung her. Ich fange mal von hinten an und arbeite mich zu den schwierigeren Punkten vor.

Den passenden USB-Stick finden

Niemand würde vermuten, dass von diesem winzigen USB-Stick im AV-Receiver die Pausenmusik abgespielt wirdDa ich bei Yamaha keine andere Wahl habe, als den Stick an der Front anzuschließen, musste ein entsprechend unauffälliges Modell her. Zum Glück gibt es da die Variante Micro-USB-Stick. Dieser Stick ist kaum größer als der Stecker selbst. Es hängt gerade noch genug mit dran, um etwas zum Greifen zu haben, wenn man ihn mal vom Gerät trennen will. Da der Front-USB-Anschluss beim Yamaha etwas vertieft liegt, gestaltet sich das als fummelig, aber machbar. Der Stick ist so völlig unauffällig – man könnte denken, er gehört zum Gerät dazu.

Ich habe die Variante mit 8 GB gewählt. Da der Stick praktisch nur für Pausenmusik verwendet wird, reicht das locker aus. Ich muss da nicht mehr als 200 Titel drauf bekommen. Als kleiner Bonus ist noch reichlich Platz für andere Musik, wenn ich mal was hören will. Eine weitere Idee, die ich noch hatte, ist, Testtöne für die Abstimmung der Anlage darauf abzulegen.

Lautstärke anpassen

Mangels Einstellmöglichkeiten am Receiver ist bei hoher Lautstärke-Einstellung die einzige Möglichkeit, die Musik leiser wiederzugeben, die MP3-Dateien selbst leiser zu rechnen. Das sollte einerseits möglichst verlustfrei und andererseits schnell geschehen. Die Titel einzeln mit einem Audio-Editor zu bearbeiten kam also nicht in Frage. Es sollte halbwegs automatisch ablaufen, um es bei Bedarf schnell wiederholen zu können.

Bei meiner Suche nach einem passenden Tool bin ich auf MP3Gain gestoßen. Es dauerte nicht lange, bis der Befehl gefunden war, mit dem ein ganzer Ordner mit MP3-Dateien gleichmäßig leiser gerechnet wird. Interessant ist, dass die Audio-Daten selbst dabei unberührt bleiben. Scheinbar wird nur ein ID3-Tag in der Datei angepasst, weshalb das ganze völlig verlustfrei verläuft.

Mit dem folgenden Befehl auf der Kommandozeile werden alle im aktuellen Verzeichnis vorhandenen MP3-Dateien entsprechend verarbeitet:

mp3gain /g -23 *.mp3

Kopiert Euch die gewünschten MP3-Dateien vorher in einen separaten Ordner, damit die Originale erhalten bleiben. Das Programm verändert die Dateien direkt, ohne eine Kopie anzufertigen.

Die Zahl -23 gibt an, wie stark die Lautstärke verringert wird. Wie es nachher wirklich raus kommt, müsst Ihr ausprobieren. Das hängt ja auch von den persönlichen Vorlieben ab. Brauchbare Ergebnisse gibt es wahrscheinlich mit Werten zwischen -18 und -28.

Die überarbeiteten Dateien kommen schließlich auf den USB-Stick. Und ab sofort gibt der Receiver leise Pausenmusik wieder, obwohl die Lautstärke auf krachende -28 dB eingestellt ist (oder wie viel auch immer es bei Eurem Verstärker und Raum sein sollte).

Zufällige Wiedergabe ab dem ersten Titel

Wie ich gleich noch beschreibe, verwende ich ein Makro, um die Pausenmusik zu starten, weil dafür ein paar Tasten zu drücken sind. Damit wird automatisch das erste Lied auf dem Stick ausgewählt und gestartet. Das wird sehr schnell eintönig, zumal meistens nicht viel mehr als ein Lied läuft, bis der Film anfängt (außer es sind Gäste da, die erstmal in Ruhe staunen müssen). Sobald der Titel zuende ist, sorgt die Zufallswiedergabe dafür, dass der nächste Titel eben zufällig gewählt wird.

Die Lösung, dass schon der erste Titel zufällig gewählt wird, ist gleichermaßen einfach wie blöd: Ich habe ein MP3-File mit 0,5 Sekunden Dauer und absoluter Stille erstellt. Durch einen entsprechenden Dateinamen sorge ich dafür, dass dieser „Titel“ in jedem Fall der erste ist, der vom Receiver aufgelistet wird. Es wird also immer zuerst dieser Titel wiedergegeben und sofort danach zufällig was richtiges ausgewählt.

Steuerung der Pausenmusik

Meine Logitech Harmony 900 unterstützt Makros nur beim Starten der so genannten Aktivitäten, weshalb ich die nötigen Tasten und Verzögerungen jeweils bei den Aktivitäten Vorbereitung, Filmstart und Filmende hinzugefügt habe. Im Anschluss an die im Folgenden aufgelisteten Befehle werden dann jeweils noch weitere Dinge ausgeführt, die ich in einem anderen Artikel schon mal näher beschrieben habe.

  • Vorbereitung: Receiver einschalten, USB-Eingang wählen, 1 x nach unten, OK (damit startet der 0,5-Sekunden-Track und anschließend per Zufall der erste richtige Titel)
  • Filmstart: USB Stop (da die Musik sonst später an der selben Stelle fortgesetzt würde)
  • Filmende: USB-Eingang wählen, OK (1 x nach unten ist hier nicht nötig, da der Titel noch ausgewählt ist)

Die Auswahl des zweiten Eintrags im Dateisystem des Sticks (1 x nach unten) ist deshalb notwendig, weil sich auf der obersten Ebene noch ein Verzeichnis mit anderer Musik befindet. Verzeichnisse werden unabhängig von ihrem Namen immer zuerst angezeigt. Der Eintrag wird also übersprungen.

Das Stoppen der Musik zum Filmbeginn ist deshalb erforderlich, weil der Yamaha den aktuellen Titel sonst im Pause-Modus hält, so lange ein anderer Eingang gewählt ist. Würde ich wollen, dass die Musik nach dem Film mitten im Titel weiter geht, wo sie aufgehört hat, könnte ich das einfach weg lassen. Eigentlich käme das den meisten Kinos sogar näher, weil diese über eine zentrale Musikquelle in allen Sälen verfügen, die bei Bedarf zugeschaltet wird. Aber warum soll man es nicht besser machen?

Zwischen den einzelnen Befehlen werden entsprechende Pausen eingebaut, damit der Receiver auf die Eingaben reagieren kann. Bei der ersten Eingangswahl wird das Dateisystem des Sticks eingelesen, was schon mal knapp 7 Sekunden dauert. Ein wenig Puffer gibt man besser auch dazu. Daher ist es völlig normal, dass ein vollständiges Makro mal 15 Sekunden oder länger läuft.

Einmal richtig eingerichtet läuft so ein Makro immer perfekt durch und nimmt einem eine Menge immer gleicher Tastenfolgen ab.


Ich hoffe, ich konnte in diesem kleinen Beitrag ein paar Ideen zur Automatisierung geben. Sicher muss man sich in jedem Kino einen passenden Weg ausdenken – exakte Kopien werden selten funktionieren. Wer nach einer Lösung sucht, die Umständlichkeiten des Receivers zu umgehen, sollte hiermit aber zumindest ein paar mögliche Ansätze gefunden haben.

Über Bert Kößler

Ein Kino in den eigenen vier Wänden fand ich schon immer spannend. Meine Leidenschaft gilt vor allem der Einrichtung, Steuerung und Automatisierung. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Anfängern und Fortgeschrittenen, die mehr aus Ihrem Heimkino machen wollen.

2 Gedanken zu „Pausenmusik im MP3-Format vom USB-Stick

  1. Hallo Bert, vielen dank für diesen super Tipp! Da hast du dir echt Gedanken gemacht.
    Absolut gelungene Seite, fehlerfrei geschrieben und schicke Grafiken und Fotos.

    Man merkt dass du hier viel Zeit und Arbeit investiert hast. Bitte weitermachen, ich bin jetzt öfters hier. 😉

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