Serie Deckensegel im Heimkino (Teil 1 2 3)

Deckensegel zur Verbesserung der Akustik: verschiedene Bauarten im Überblick

Viele Wege führen zu einer besseren Raumakustik im Heimkino — und einer davon ist besonders lohnend: das Deckensegel. Die Zimmerdecke ist einer der vier wesentlichen Punkte für Erstreflexionen im Heimkino. Die Fläche ist groß und meistens ungenutzt. Damit ist sie der ideale Ort, um Schall zu absorbieren und so den Nachhall im Raum zu verringern.

Ein großes Deckensegel mit integrierter Beleuchtung.
Foto: Markus Greilinger

Zusammenfassung für schnelle Leser

Ich gebe Euch heute einen Überblick über den Zweck von Deckensegeln. Wir sehen uns verschiedene Bauweisen an und werfen einen Blick auf deren Vor- und Nachteile. Zwar ist dabei kein Platz für Bauanleitungen, aber das grobe Prinzip sollte sich jeweils erschließen und adaptieren lassen.

Deckensegel und ihre Funktionen

Der Begriff Deckensegel rührt eigentlich von einem Stück Stoff her, das an der Decke befestigt wird und wie ein Segeltuch durchhängt. Zwar ist meistens ein Stoff zur Kaschierung der eigentlichen Maßnahme involviert, aber ansonsten ist das auch schon alles, was es mit dem ursprünglichen Begriff gemein hat.

Neben seiner eigentlichen Aufgabe kann ein Deckensegel noch weitere Zwecke erfüllen. Bei der Planung geht es also auch darum, die genauen Anforderungen abzugrenzen. Diese sind vom Raum und der bereits vorhandenen Einrichtung abhängig.

Verbesserung der Raumakustik

Die erste und wichtigste Aufgabe eines Deckensegels ist die Verbesserung der Raumakustik. Diese wird mittels poröser Absorber erreicht, die den Großteil der Fläche ausmachen. Alternativ lässt sich ein Deckensegel auch mit Diffusoren kombinieren oder ergänzen. Das kommt ganz darauf an, welchen akustischen Zweck die Maßnahme erfüllen soll.

Deckensegel aus einzelnen Komponenten, teilweise mit Diffusoren ausgestattet.
Foto: Uwe Wentzel

Damit das Deckensegel seine Aufgabe optimal verrichten kann, muss es halbwegs genau am Punkt der Erstreflexion der Frontlautsprecher hängen, der sich mit der Spiegelmethode sehr einfach ermitteln lässt. Zwar sind Absorber auch für die Surround-Lautsprecher nicht unnütz, aber die Front hat als primäre Schallquelle Vorrang.

Wie alle Absorber gegen Erstreflexionen erfüllt ein Deckensegel aber noch eine weitaus wichtigere Aufgabe, als nur den allgemeinen Nachhall zu verringern. Erstreflexionen werden häufig auch als frühe Reflexionen bezeichnet, weil sie sehr früh auftreten, nachdem der Schall den Lautsprecher gerade erst verlassen hat. Der Laufzeitunterschied zwischen Direktschall und reflektiertem Schall ist hierbei sehr gering. Das sorgt für einen unschönen Klang, der entfernt an eine Garage erinnert.

Ein Deckensegel reduziert ganz gezielt diese frühen Reflexionen. Das sorgt für ein wesentlich präziseres Klangbild und verbessert die Sprachverständlichkeit. Messtechnisch lässt sich das sehr gut nachweisen, was ich aber auf einen späteren Artikel verschiebe.

Deckenlautsprecher

Wer auf Dolby Atmos setzt, kann in einem Deckensegel gleich zwei oder vier Deckenlautsprecher unterbringen. Das ist eine praktische Lösung, wenn dicke Boxen an der Decke nicht erwünscht sind. Hinter akustisch transparentem Stoff lässt sich so manches verstecken.

Überhaupt ist Dolby Atmos erst in Verbindung mit einem Deckensegel richtig sinnvoll. In einem Raum mit unbehandelter Decke wird der Schall der Frontlautsprecher oben reflektiert und sorgt so bereits für ein sehr räumliches Klangerlebnis. Fügt man nun einfach nur Deckenlautsprecher hinzu, ist das Ergebnis oft ernüchternd: So viel mehr kommt da gar nicht von oben. Bestenfalls einzelne Effekte sind deutlich den Top-Lautsprechern zuzuordnen.

Ein Deckensegel schluckt die Reflexionen an der Decke und hält so die normale 5.1-Ebene unten, wo sie hin gehört. Dadurch kommen Deckenlautsprecher und die Höhenkanäle von Dolby Atmos erst richtig zur Geltung.

Beleuchtung

Wenn man etwas großflächiges an die Decke hängt, geht dabei meistens der Platz für eine Lampe verloren. Aber mal abgesehen davon, dass man im Heimkino meist keine klassische Deckenlampe made by Baumarkt benötigt, lässt sich eine alternative Lösung in ein Deckensegel integrieren.

Die übliche Vorgehensweise ist dabei, einen abgehängten Rahmen aus Holz zu bauen und darin Deckenspots unterzubringen. Die dafür notwendigen Kabel und Anschlüsse werden unsichtbar oberhalb des Deckensegels untergebracht.

Darüber hinaus bietet ein Deckensegel die Möglichkeit, indirekte Beleuchtung über LED-Stripes unterzubringen. So kommt auch gleich ein wenig Farbe ins Spiel. Damit wird es zur vielseitigen Beleuchtung für alle Situationen.

Sternenhimmel

Ein beliebter Hingucker für ein Deckensegel ist ein integrierter Sternenhimmel. Da es eine relativ große Fläche irgendwie zu gestalten gilt, bietet sich das als zusätzliche Lichtquelle an.

Sternenhimmel gibt es in Form von LED-Lichtfasern zu kaufen. Sie können zum Beispiel hinter dem Bezugsstoff im Absorber integriert werden. Das führt zu einem sehr realistischen Effekt. Aber Vorsicht: das kann in tierisch viel Arbeit ausarten!

Sprachassistent inklusive

Ein Deckensegel wird immer relativ mittig im Raum hängen. Dieser zentrale Punkt ist äußerst sinnvoll, um einen Sprachassistenten unterzubringen, zum Beispiel den Amazon Echo Dot. Umgeben von absorbierendem Material sollte dieser auch besser verstehen, was man zu ihm (oder ihr) sagt. Einzig der eingebauten Lautsprecher dürfte nutzlos werden, aber der ist ja sowieso nicht das Gelbe vom Ei.

Wichtig ist hierbei nur, einen akustisch transparenten Stoff zu verwenden, damit die Spracherkennung nicht leidet. Auf ähnliche Weise lassen sich natürlich diverse andere Gadgets in ein Deckensegel integrieren.

Fertiges Produkt oder Selbstbau?

Wir konzentrieren uns hier auf die wichtigste Aufgabe eines Deckensegels: die Verbesserung der Akustik. Das dürfte auch die meisten Fragen aufwerfen.

Vor jedem größeren Projekt steht die klassische Make-or-buy-Entscheidung. Auch Deckensegel gibt es fertig zu kaufen. Wer handwerklich nicht besonders begabt ist oder einfach keine Lust hat, selbst etwas zu erschaffen, wird froh sein, das zu hören.

Shut up and take my money

Bei fertigen Produkten gibt es geniale und einfache Lösungen, die richtig gut aussehen. Es ist kein Geheimnis, dass diese Lösungen meistens auch ziemlich teuer sind. Das liegt schon alleine daran, dass hier fast ausschließlich Basotect als absorbierendes Material verbaut wird. Wer nach fertigen Produkten sucht, rechnet aber wohl schon damit, dass die ein bisschen mehr kosten. Wenn man seine persönliche Arbeitszeit dagegen hält, geht die Rechnung unter Umständen sogar auf.

Den Preis muss man aber auch im Verhältnis zur Leistung und der benötigten Fläche sehen. Um einen hörbaren Effekt zu erzielen sollte das Deckensegel schon wenigstens eine Absorberfläche von 2 m² aufweisen. Viele Produkte sind gerade mal 60×60 cm groß — mit etwas Glück ist eine Kante länger als 1 Meter. Die meisten Produkte müsst Ihr also gleich viermal oder mehr kaufen.

Weiterhin ist die Stärke des verbauten porösen Absorbers ausschlaggebend für die Wirksamkeit. Die meisten Produkte gibt es bestenfalls in 5 cm Stärke. Das ist besser als nichts — aber warum sollte man die verfügbare Fläche nicht effizienter nutzen, wenn man sie schon vollhängt?

Selbst ist der Mann

Aber wie so oft im Heimkino-Bau erzielt Ihr die besten Ergebnisse, wenn Ihr selbst Hand anlegt. Es macht viel Spaß und Ihr lernt eine Menge über Akustik und Absorbtion. Ihr könnt Euer Deckensegel individuell an Euren Raum anpassen und alle Gegebenheiten in Eure Planung einbeziehen.

Der wesentliche Vorteil ist aber, dass Ihr deutlich mehr für Euer Geld bekommt. Alleine an den Absorbern lässt sich unheimlich viel sparen, wenn Ihr auf weniger ansehnliche Materialien setzt und diese ansprechend verkleidet.

Das Gute an einem Deckensegel ist ja, dass man die Oberseite nicht sieht und es nur nach unten und zu den Seiten ansprechend aussehen muss. Dafür genügt oft schon ein einfacher Rahmen, dessen Einzelteile im Baumarkt nur ein paar Euro kosten.

Wofür Ihr Euch entscheidet hängt letztlich davon ab, womit Ihr schon Erfahrungen habt und welches Material Ihr gut verarbeiten könnt. Außerdem zahlt es sich aus, Leute zu kennen, die bestimmte Werkzeuge oder handwerkliche Fähigkeiten haben.

Verschiedene Bauarten von Deckensegeln

Die einfachste Variante eines Deckensegels ist wahrscheinlich, ein paar Basotect-Platten an die Decke zu kleben. Nun ja, kann man schon machen, aber sieht eben auch entsprechend langweilig aus. Zudem ist der teure Absorber nach der Behandlung mit Klebeband wohl kaum noch zu gebrauchen.

Ein wesentlicher Aspekt bei der Wirksamkeit von Absorbern ist der Abstand zur dahinter liegenden Wand oder Decke. Wenn der Abstand etwa die Hälfte der Materialstärke entspricht, arbeiten sie am effizientesten. Daher ist es sinnvoll, auch Basotect-Platten mit etwas Abstand aufzuhängen.

Als sehr einfach hat es sich herausgestellt, an 4 Ecken auf der Oberseite je einen Gipskartondübel einzudrehen. Die halten in dem bröckeligen Schaumstoff ziemlich gut. In die Dübel können Schraubhaken eingedreht werden sowie ein passendes Gegenstück in die Decke. Bei Bedarf kann auch noch eine Kette oder ein Seil für mehr Abstand zwischengehängt werden.

Absorber mit Stoff bespannen

Deckensegel mit blauem Stoff bespannt, in ausgefallener Wellenform.
Foto: Samuel Frenz

Basotect und ähnliches formstabiles Material lässt sich auch gut mit Stoff bespannen. Der Stoff wird einfach um die Vorderseite gelegt und von hinten mit Stecknadeln im Basotect befestigt. Dabei muss er gut gespannt werden.

Der Stoff verliert die Spannung wahrscheinlich mit der Zeit etwas. Deshalb ist diese Methode nur bedingt für Wandabsorber geeignet. An der Decke ist es aber kein Problem, da der Stoff ggf. leicht durchhängt und sich ungleichmäßige Wellen deshalb gar nicht erst bilden dürften.

Schon kommt die Frage auf: Welchen Stoff kann man verwenden, um Absorber zu kaschieren? Muss es ein spezieller Akustikstoff sein?

Nein, nahezu jeder Stoff geht. Auf dicke, relativ steife Stoffe mit glatter Oberfläche solltet Ihr verzichten, weil diese den Hochton schon wieder reflektieren können. Ansonsten ist es aber egal, ob bereits der Stoff den Schall absorbiert, oder erst der Absorber dahinter. Hochton wird eventuell schon vom Stoff absorbiert, Mittelton und alles dazwischen spätestens vom Absorber. Das Ziel ist in beiden Fällen erreicht.

Akustisch transparente Stoffe sind nur erforderlich, wenn Ihr damit einen Lautsprecher verdeckt — oder das Mikrofon eines Sprachassistenten. Hier muss das komplette Frequenzspektrum ungehindert hindurch gehen.

Sichtbares Basotect mit Rahmen

Wie oben angedeutet kann man Basotect auch einfach sichtbar lassen. Von allen porösen Absorbern ist dieses Material noch eines der ansehnlichsten. Basotect gibt es mittlerweile auch in fast allen Farben. Die Ränder sind häufig gefast.

Dreiteiliges Deckensegel mit Aluminiumrahmen.
Foto: Holger Selig

Trotzdem macht es viel mehr her, wenn das Deckensegel eine gewisse optische Abgrenzung zur Decke hat. Deshalb baut man am besten einen Rahmen, in den der Absorber von oben eingelegt wird. Das kann ein einfacher Rahmen aus Aluminium-Winkeln sein, die ordentlich auf Gehrung zugesägt wurden.

Die Befestigung an der Decke erfolgt ebenfalls wieder durch Schraubhaken. Auch hier bietet es sich an, etwas Abstand zur Decke zu halten.

Einer der wesentlichen Vorteile dieser Konstruktion ist, dass sie sehr leicht ausfällt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn der Raum nur über eine Rigips-Decke oder eine anderweitig abgehängte Konstruktion verfügt.

Deckensegel in massiver Bauweise

Die aufwendigste Form eines Deckensegels hat zugleich nämlich den Nachteil, dass sie sehr schwer werden kann. Wenn einige Meter Holz verbaut werden, kommen schnell mal 50 bis 100 kg auf die Waage. Das lässt sich nur an ausreichend tragfähigen Decken befestigen, zum Beispiel Stahlbetondecken.

Ansonsten bietet die massive Bauweise aber wohl die meisten Möglichkeiten. Die eingangs erwähnten Funktionen wie Beleuchtung, Sternenhimmel, Lautsprecher oder andere technische Spielereien lassen sich hier uneingeschränkt verbauen. Bei der oben gezeigten Leichtbauweise ist oft bestenfalls noch ein LED-Streifen für indirekte Beleuchtung möglich.

Konstruktion eines massiven Deckensegels aus verschiedenen Holzarten.
Foto: Markus Greilinger

Auf dem Bild sieht man sehr schön, wie ein Grundrahmen für Abstand von der Decke sorgt. Eine von unten befestigte Abdeckung bietet Platz für Deckenspots und hält zugleich eine Außenkante, die den Blick auf die Technik versperrt und die Basis für indirekte Beleuchtung darstellt. Der Absorber ist großflächig im Inneren untergebracht.

Das Ergebnis seht Ihr oben im Titelbild. Konstruktionen dieser Art haben sich zu einer Art Standard-Aufbau etabliert, der gerne immer wieder erfolgreich kopiert und abgewandelt wird. Hier findet Ihr eine Bauanleitung für ein massives Deckensegel.


Noch unsicher, ob sich der Aufwand für ein Deckensegel in Deinem Raum lohnt?
die individuelle Beratung von Heimkino Praxis hilft weiter


Kurz zusammengefasst

  • Deckensegel dienen vornehmlich zur Verbesserung der Raumakustik. Das wird durch den großflächigen Verbau von Absorbern erreicht.
  • Weiterhin lassen sich in ein Deckensegel Beleuchtung, Sternenhimmel, Lautsprecher und andere technische Finessen integrieren.
  • Fertige Lösungen sind schnell installiert, kosten dafür aber deutlich mehr. Sie absorbieren oft nicht annähernd so viel Schall, wie auf der selben Fläche möglich wäre.
  • Der Selbstbau ist deutlich aufwendiger, bietet dafür aber erheblich mehr Möglichkeiten zum kleineren Preis.
  • Bei einfachen Konstruktionen werden Basotect-Platten an die Decke gehängt. Diese können mit einem Rahmen versehen sein und sollten möglichst etwas Abstand zur Decke halten.
  • Die massive Bauweise aus Holz bietet die meisten Möglichkeiten und bringt insbesondere die integrierte Beleuchtung am besten zur Geltung.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

2 Gedanken zu „Deckensegel zur Verbesserung der Akustik: verschiedene Bauarten im Überblick

  1. Hallo Bert,
    wär eine Akustikspanndecke mit enstprechendem Aufbau darüber wohl auch zielführend? Ich stelle mir vor, dass man so eine unauffällige Lösung realisieren könnte um nicht zuletzt den WAF zu erhöhen.

    Grüße, Jens

    1. Hallo Jens,

      du meinst wahrscheinlich sowas mit Lochplatten. Da gibt es ja unzählige Systeme. Pauschal kann man das nicht beantworten.

      In der Regel sind diese Decken auf Verbesserung der Sprachverständlichkeit ausgelegt. Im Heimkino will man gezielter und breitbandiger dämmen. Lochplatten reflektieren zu viel im Hochton.

      Es ist sicher wirkungsvoll und bei Weitem besser als nichts, wenn es wohnraumtauglich bleiben soll. Besser wären aber möglichst offen verbaute Absorber.

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