Serie Ein Deckensegel bauen (Teil 1 2 3 4 5 6)

Planung und Konstruktion eines modularen Deckensegels

Ihr habt Euch dazu entschlossen, ein Deckensegel zu bauen und es soll gut werden? Hier seid Ihr richtig. In diesem und den folgenden Teilen dieser Serie habe ich für Euch eine ausführliche Bauanleitung für den Bau eines Deckensegels zusammengestellt. Wir bauen hier die Deluxe-Variante mit einer großen und sehr wirksamen Absorber-Fläche. Außerdem wird direkte und indirekte Beleuchtung integriert.

Ein Deckensegel mit integrierten Deckenspots und farbiger indirekter Beleuchtung.

Für den Anfang hier nochmal ein Hinweis auf die Grundlagen. Bitte unbedingt vorher lesen, da einiges davon relevant für das Verständnis dieser Anleitung ist.

In diesem Artikel erkläre ich Euch die grundlegende Konstruktion des Deckensegels, die ich für meine zwei Projekte entwickelt habe. (Das Bildmaterial stammt vom Bau zweier gleichartiger Deckensegel — lasst Euch also nicht verwirren.)

Ihr könnt diese Anleitung natürlich beliebig abwandeln und auf Eure räumlichen Gegebenheiten anpassen. Alles hängt davon ab, was Ihr handwerklich umsetzen könnt. Die einzige Einschränkung für das hier gezeigte Deckensegel: die Decke muss das Gewicht tragen können.

Ziele der Konstruktion

Bei jedem Projekt verfolgt man gewisse primäre Ziele. Alle anderen Ziele sind auch wichtig, müssen sich aber den Primärzielen unterordnen.

Folgendes war mir bei meinem Deckensegel am wichtigsten:

  • Die Konstruktion sollte modular aufgebaut sein, damit sie leicht zu montieren und zu warten ist. Das machte es auch möglich, das Deckensegel nahezu komplett in angenehmer Arbeitshöhe zu bauen und die Oberfläche zu verfeinern.
  • Die Schallabsorbtion sollte möglichst breitbandig erfolgen. Absorber aus dem richtigen Material mit 10 cm Stärke und etwas Abstand zur Decke waren also Pflicht. Gleichzeitig durfte die maximale Höhe von 18 cm nicht überschritten werden, damit das Deckensegel nicht im Lichtweg des Beamers hängt.
  • Das Deckensegel sollte reichlich Licht machen, weil es auch als Ersatz für die Deckenbeleuchtung dienen musste. Zudem war indirekte Beleuchtung wünschenswert.

Ein aufwendiger Rahmen für die Beleuchtung war also schon gesetzt. Als Aufbauhöhe an der Decke hatte ich von vorneherein ungefähr 15 cm im Sinn. So konnte ich mich auf die Konstruktion konzentrieren, und dabei ist der folgende Bauplan herausgekommen:

Querschnitt einer Seite des Deckensegels

Aufbau des Deckensegels

Das Deckensegel besteht aus drei Rahmen, die zunächst unabhängig voneinander gebaut werden. Erst an der Decke finden sie zueinander — oder genauer gesagt ineinander.

  • Rahmen 1 ist der einfachste von allen. Er wird mit Winkeln an die Decke geschraubt und ist später zum Teil von außen sichtbar, weil er das Bindeglied zur Decke darstellt. Deshalb muss er außen lackiert werden und sollte möglichst viel Licht der indirekten Beleuchtung reflektieren.
  • Rahmen 2 stellt in sich geschlossen den Absorber dar. Es handelt sich ebenfalls um einen einfachen Rahmen gleicher Breite, jedoch mit zusätzlichen Querverstrebungen nach Bedarf. Dieser Rahmen wird an der Unterseite mit Stoff bezogen und innen komplett mit Steinwolle gefüllt.
  • Rahmen 3 ist der aufwendigste der drei, weil er den sichtbaren Abschluss für so ziemlich alles bildet. Sein Profil ist eine L-Form. Damit bietet er nach unten genug Fläche, um beliebige Einbaustrahler zu beherbergen. Die seitliche Kante nimmt in etwa die Hälfte der Gesamthöhe ein, versteckt als Sichtschutz die Elektronik und hält den LED-Streifen für die indirekte Beleuchtung.

Der modulare Aufbau reduzierte das Gewicht, das mit einem Mal an die Decke gebracht werden musste, ganz erheblich. Trotz der Größe der fertig montierten Teile sind dafür nur zwei Personen notwendig.

Querschnitt des Deckensegels in der Übersicht

Die beiden inneren Rahmen sind gleich breit. Der Absorber (innen) hängt jedoch ca. 1 cm nach unten versetzt. Das sorgt für etwas zusätzlichen Abstand der Steinwolle zur Decke, was die untere Wirkfrequenz noch etwas senkt. Viel mehr dient der Abstand aber als Puffer für die Montage und zur Kabelführung.

Die Montage der Rahmen untereinander erfolgt auf zwei Arten. Ziel hierbei war es, an der Decke nicht lange herum basteln zu müssen. Rauf mit dem Rahmen, fixieren, fertig.

  • Rahmen 1 wird wie gesagt mit einigen innen liegenden Winkeln an die Decke geschraubt.
  • Rahmen 2 wird innen in Rahmen 1 eingesetzt und mit Holzdübeln fixiert (und dauerhaft ausschließlich von diesen gehalten). Dazu werden Löcher im Durchmesser der Holzdübel in beide Rahmen gebohrt.
  • Rahmen 3 wird von unten aufgesetzt und mit Winkeln von außen an Rahmen 1 angeschraubt. Auch hier wäre die Variante mit Holzdübeln möglich, jedoch müssten die Löcher der Winkel dafür sehr wahrscheinlich aufgebohrt werden. Zudem bietet das Anschrauben später eine Möglichkeit zur Korrektur der Höhe des sichtbaren Spalts an der Decke.

Rahmen 3 wird zudem mit mehreren Sicherungsketten an Rahmen 1 gehalten — auch wenn es äußerst unwahrscheinlich ist, dass die Schraubverbindungen nachgeben. Viel mehr vereinfacht diese Aufhängung später das Anschließen der Elektrik an die Stromzuleitung.

Abmessungen

Der gezeigte Querschnitt des Deckensegels zeigt den schematischen Aufbau des Gerüsts. Dieser kann in zwei Dimensionen beliebig gestreckt werden. Wie lang und breit das Deckensegel wird, ist demnach also völlig beliebig.

Allerdings braucht Ihr für die Beschaffung des Materials natürlich schon einige Anhaltspunkte. Also sehen wir uns mal die Ausmaße an. Ihr könnt auf zwei Arten da ran gehen:

  • Ihr messt den verfügbaren Platz an der Decke aus, bzw. bestimmt die Fläche, die das Deckensegel einnehmen soll — zum Beispiel nach Gesichtspunkten der Akustik. Alle Innenmaße werden daraus berechnet.
  • Ihr geht von den Abmessungen des absorbierenden Materials aus und konstruiert das Deckensegel außen herum. Das hat den Charme, dass Ihr die Absorber nicht zerschneiden müsst, kein Auffüllen erforderlich wird und somit gar kein bis wenig Verschnitt entsteht.

Vielleicht läuft es auch auf eine Mischung dieser beiden Wege heraus. Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden, dabei aber darauf geachtet, dass das Deckensegel trotzdem den verfügbaren Platz gut ausfüllt. Im Zweifelsfall würde ich lieber Absorber zerteilen, das ist ja nicht weiter schwer.

Grundriss eines Deckensegels mit 3 Sektionen für Steinwolle in der handelsüblichen Größe.

Steinwolle der Marke Rockwool hat beispielsweise immer Abmessungen von 100×62,5 cm. Die Verstrebungen von Rahmen 2 müssen also so geplant werden, dass Fächer in genau dieser Größe entstehen. Dazu muss die Stärke des verwendeten Holzes bekannt sein. Die Kunst ist, die Absorber so anzuordnen, dass das Deckensegel möglichst nah an die gewünschte Form und Größe heran kommt.

Ab in den Baumarkt

Woraus Ihr Euer Deckensegel baut, habe ich bei den Vorüberlegungen ja schon ein wenig erörtert. Ich habe mich für Naturholz entschieden, um das Gewicht einigermaßen in Grenzen zu halten. Das musste ich zwar bei der Nachbearbeitung büßen, aber zumindest habe ich dabei einiges dazu gelernt.

Einige Stapel Holzbretter: Material für den Bau des Deckensegels.Ihr solltet Euch zunächst im Baumarkt oder gleich bei einem Schreiner informieren, in welchen Abmessungen Ihr entsprechendes Holz bekommen könnt. Die möglichen Längen und Breiten, aber auch die Stärke des Materials ist maßgeblich für die Fertigstellung Eurer Planung verantwortlich. Wenn Ihr den exakten Aufbau festlegt — Welches Brett wird wie an welches andere geschraubt? — benötigt Ihr alle Maße für die Berechnung der exakten Längen.

Ich habe bewusst darauf verzichtet, die Anschlusskanten auf Gehrung zu sägen. Wenn man das nicht richtig kann, macht es das nur schlimmer. Sichtbare Übergänge sollte es am Ende sowieso keine mehr geben.

  • Für Rahmen 1 und 2 habe ich 12 cm breite Bretter verwendet. Die waren genau richtig für 10 cm starke Absorber.
  • Rahmen 3 wurde an der Unterseite mit 17 cm breiten Brettern gebaut. Das reicht gerade so, um die Deckenspots noch mittig darauf unterzubringen, ohne dass sie Rahmen 1 in die Quere kommen.
  • Die Außenkante wurde auf diese aufgesetzt und besteht aus 6 cm breiten Brettern. Zusammen mit der Stärke der 17er-Bretter (generell 18 mm) ist der sichtbare Rand also 7,8 cm hoch.

Wie sich das alles zusammen setzt, erkennt Ihr an der Zeichung. Der Rest ist pure Mathematik. Seid ausgeschlafen, wenn Ihr das berechnet, damit Ihr nicht irgendwo die Materialstärke hinzuzurechnen vergesst, wo sie erforderlich wäre.

Mit den Maßen könnt Ihr Eure Materialbedarfsliste zusammenstellen und damit in den Baumarkt gehen, um Euch das gleich zusägen zu lassen. Stellt am besten eine genaue Liste zusammen und lasst Euren Wagen mit dem Material beim Holzzuschnitt. So müsst Ihr nicht darauf warten und die Mitarbeiter sind Euch dankbar, wenn sie das mal in einer ruhigen Minute machen können.

Grundriss eines quadratischen Deckensegels mit 4 Sektionen für Steinwolle in der handelsüblichen Größe.
Anordnung der Absorber für ein quadratisches Deckensegel

Tipp: Lasst Euch die Reste der Bretter auch mitgeben. Ihr bezahlt ja schließlich dafür. Ihr könnt sie als Übungsmaterial verwenden, sowie bei verschiedenen Gelegenheiten als Hilfsmittel.

Problematisch könnten eventuell die 6 cm breiten Bretter sein, da diese in manchen Baumärkten gar nicht mehr im Angebot sind. Ich habe deshalb teilweise 8 cm Breite genommen und bin damit zu einem freien Schreiner gefahren, der mir die gegen einen kleinen Obolus auf 6 cm verschmälert hat. Ihr könnt Euch nämlich schon jetzt darauf einstellen, dass Euch kein Baumarkt irgendetwas auf weniger als 10 cm zuschneiden wird. Das liegt an den Sicherheitsvorschriften.


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Die Planung des Deckensegels ist damit abgeschlossen und das wichtigste Baumaterial beschafft. In den nächsten Artikeln der Serie schrauben wir alles zusammen und verfeinern die Oberfläche. Bleibt dran!

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

3 Gedanken zu „Planung und Konstruktion eines modularen Deckensegels

  1. Hallo Bert,

    schön fände ich ein Deckensegel, aber der Vorbesitzer unseres Hauses war ein Fan von Holzdecken – ergo müsste ich die entweder demontieren oder aber durchbohren, um an die Betondecke zu kommen. Beides mittelmäßig animierend 😉 Und dass die Holzdecke das Gewicht trägt, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Für Boxen und Beamer war das sehr angenehm, da sowohl flexibel als auch leicht anzubringen, aber so ein Deckensegel ist schon ne andere Hausnummer. Wobei: Als reinen Absorber, das wäre eine Überlegung wert. Je nach Materialgewicht (Pappelholz…?). Naja, ich werde erst mal weiter die Beiträge verfolgen 🙂

    Viele Grüße,
    Marco

  2. Hallo Bert,

    was genau bewirkt es, wenn das Absorbermaterial im Deckensegel mit Abstand zur Decke hängt? Die üblichen Basotect-Segel hängen alle mit rund 10cm Abstand zur Decke. Bei Deiner Bauanleitung liegt das Material quasi direkt an der Decke, würde also dem Ankleben der Basotect-Platten an die Decke entsprechen.

    Wenn es hängt, muss es dann von den Seiten „akustisch erreichbar sein“, oder könnte es bei gleicher und mir unbekannter Wirkung auch hängend von einem geschlossenen Rahmen umgeben sein?

    Viele Grüße
    Michael

    1. Hallo Michael,

      ganz an der Decke liegt der Absorber bei dieser Konstruktion nicht an. Nach dem Plan wird 1 cm Abstand gehalten, in der Praxis werden daraus aber 2–3 cm. Ideal wären 5 cm gewesen, aber der Aufbau auf die Decke wäre dadurch zu hoch geworden, so dass das Deckensegel einen Schatten auf die Leinwand geworfen hätte.

      Wenn es möglich ist, sollte die halbe Absorberstärke als Wandabstand eingehalten werden. Das rührt daher, dass das Schallschnellemaximum kurz vor der Wand liegt. Dadurch kann der Schall effizienter absorbiert werden. Genauer erklärt das der Artikel über poröse Absorber unter dem Abschnitt „Schallschnelle“. Der konkrete Effekt ist, dass der Absorber stärker und tiefer wirkt.

      Das Material kann ohne Weiteres von einem bis zur Decke oder Wand geschlossenen Rahmen umgeben sein. Um „akustische Erreichbarkeit“ (schön ausgedrückt!) geht es da nicht. Dennoch wirkt ein Rahmen natürlich reflektierend und damit ein Stück weit wie ein Diffusor. In der Praxis wirkt sich das aber nicht so extrem aus, dass man deshalb auf eine bessere Optik verzichten müsste.

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