Serie Bass Shaker im Heimkino (Teil 1 2 3)
Reckhorn BS-200i am schwedischen Schwingsessel

Bass Shaker am IKEA Poäng installieren

Einer der beliebtesten Heimkino-Sessel ist der IKEA Poäng. Heute statten wir den schwedischen Schwingsessel mit einem Bass Shaker aus. Du dachtest, das geht nicht? Abwarten! Als Körperschallwandler setzen wir den Reckhorn BS-200i ein. Das Ergebnis hat mich buchstäblich vom Hocker gehauen.

Unterbau mit Bass Shakern unter den IKEA-Sesseln montiert.

Trotz seiner weiten Verbreitung ist der IKEA Poäng nicht gerade das typische Sitzmöbel, das man mit einem Körperschallwandler ausstatten würde. Die leichte und materialarme Bauweise bietet nicht gerade viel Angriffsfläche. Zudem wäre es wünschenswert, den Bass Shaker nicht sehen zu müssen.

Das Konzept für die vorliegende Anleitung habe ich dankend vom „8 Blickwinkel“ übernommen – einem Heimkino, in dem gleich 8 Poäng-Sessel damit ausgestattet sind.

Auswahl des passenden Bass Shakers

Es gibt einige Bass Shaker am Markt zur Auswahl. Die Entscheidung für den BS-200i von Reckhorn fiel mir dabei aber nicht schwer.

  • Er ist klein und flach und passt so schön unauffällig unter die IKEA-Sessel.
  • Für eine Person in einem Einzelsitz ist die Leistung mehr als ausreichend. Der BS-200i ist nicht der stärkste Shaker, aber er muss nicht annähernd an seine Grenzen gehen, um den Poäng und seinen Insassen durchzuschütteln.
  • Der Preis ist mit knapp 50 € äußerst moderat, so dass ich keine Hemmungen hätte auch 4 oder mehr Sessel damit auszustatten.

Hinzu kommt, dass die Verarbeitung äußerst solide ist. Das Innere – Schwingspule mit Polyimid-Drahtisolierung – ist hitzefest bis 250 °C, was nur bei einer gezielten, extremen Beanspruchung erreicht wird – bei Filmen und Musik hingegen eher nicht.

Was musst du bei einem Body Shaker am IKEA Poäng beachten?

Ein Problem beim Poäng ist seine Bauweise. Der Sessel ist im Grunde eine riesige Feder. Dadurch kann der Bass Shaker nicht – wie sonst üblich – am Boden des Sitzmöbels befestigt werden. Bis sie oben ankäme, wäre die Energie längst in der Feder verpufft.

Bass Shaker sollten nach Möglichkeit vertikal arbeiten, also hoch und runter. Das entspricht dem natürlichen Schwingungsgefühl vieler Vibrationen. An der Rückenlehne ist er deshalb ebenfalls nicht gut aufgehoben.

Wir verbauen den Körperschallwandler also horizontal unter der Sitzfläche. Dort sieht man ihn auch am wenigsten – um nicht zu sagen gar nicht.

Man könnte vermuten, dass die fehlende Masse ein Problem darstellt. Der Poäng ist sehr leicht. Gibt es da überhaupt genug, was schwingt? Ja, denn du darfst nicht vergessen, dass da ja später noch ein mindestens 70 Kilo schwerer Sack drin sitzt. Wenn schon der Sessel weniger Masse hat, wird auch nicht so viel Energie benötigt, um das alles zum Schwingen zu bringen.

Letztlich bleibt nur das Problem der Befestigung. Wir können den Bass Shaker nicht einfach an die Unterseite der Sitzfläche schrauben, weil… da keine Unterseite ist! Der Poäng besteht nur aus dem Holzrahmen. Das Sitzpolster liegt auf einem dicken, stoffähnlichen Gewebe, das zwischen den Rahmen getackert ist. Wir müssen die Schwingungen also links und rechts gleichmäßig auf den Rahmen übertragen.

Sehen wir uns mal an, wie wir das bewerkstelligen können.

Die Befestigung: Pimp my Poäng

Erste Idee: ein Brett von unten an den Rahmen schrauben. Das Problem dabei: die eigentliche Sitzfläche hängt durch und wird vom Körpergewicht des Insassen nach unten gedrückt. Das Brett kann also nicht direkt von unten an den Rahmen geschraubt werden. Wir brauchen einen Abstandhalter von mindestens 4, besser 5 cm.

Durchsicht des Poäng mit montiertem Unterbau und Schrauben.

Die Lösung ist ein flaches U bzw. zwei Seitenteile, die auf das Brett geschraubt werden. Das Gebilde wird dann von unten an den Stuhl gesetzt und von oben verschraubt.

Bitte halten sie Abstand, wenn sie mir in den Hintern treten

Damit die Schwingungen des Körperschallwandlers auf den Sessel übertragen werden, brauchst du möglichst hartes, schweres, massives Holz. Einfache Spanplatten und anderes billiges Holz ist dafür weniger geeignet. Es schwingt von sich aus zu viel mit und nimmt so die Energie weg, statt sie an den Sessel weiterzuleiten.

Schematische Darstellung und Abmessungen des Unterbaus für den Poäng.

Im Grunde genügte MDF in entsprechender Stärke. Besser geeignet sind fertige Bretter aus Buche Leimholz, wie es sie zum Beispiel im örtlichen Biber-Baumarkt gibt. Der Preisunterschied ist nicht so groß und die Kanten werden schöner. Dass ein Brett geeignet ist, erkennst du daran, dass es sich nicht übermäßig verbiegen lässt, wenn du es mit den Händen gegen das Knie ziehst.

Leimholz Buche 120×20×1,8 cm

Schematische Darstellung des Unterbaus für den Poäng von unten mit sichtbaren Schraubenköpfen.Such dir die notwendige Anzahl und Länge heraus. Die Breite sollte 20 cm betragen, Stärke 1,8 cm – je massiver desto besser. Lass dir die Bretter vom Holzzuschnitt im Baumarkt auf 54 cm Länge zusägen. Dieses Maß solltest du vorher aber an deinem vorhandenen Poäng überprüfen, da es hier je nach Alter des Modells Abweichungen geben kann.

Die 5 cm langen Seitenteile kannst du dir auch gleich davon absägen lassen. Falls die Jungs vom Holzzuschnitt das nicht machen wollen (alles unter 10 cm ist oft aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt), lass dir stattdessen noch eine Leiste mit mindestens 4,4 cm Breite und mindestens 1,8 cm Stärke auf einige 20 cm lange Stücke zusägen. Vielleicht hast du auch eine Kreissäge und kannst die Bretter selbst zusägen.

Verschrauben

Seitenteile des Unterbaus mit Schraubzwingen verspannt.Als nächstes schraubst du die kurzen Seitenteile an das Brett. Ich habe eine leicht versetzte Anordnung der Schrauben gewählt (3 cm vom einen Ende, 2 cm vom anderen, die mittlere Schraube genau dazwischen). So kannst du 1 cm versetzt dazu die Schrauben durch den Sessel eindrehen, ohne dass sie sich in die Quere kommen.

Die Schrauben sollten mindestens 50 mm lang sein. Ich empfehle für solche massiven Holzkonstruktionen gerne Terrassenschrauben, weil die im Holz so richtig gut greifen und die Bretter stark zusammen ziehen. Andere Holzschrauben gehen aber auch.

Seitenansicht des Unterbaus mit Bemaßung der Abstände für die Schrauben.

Wichtig bei Buche Leimholz – und das gilt auch für den Poäng, der aus ähnlich hartem Holz ist: Du musst alle Löcher vorbohren! In so hartes Holz kommst du mit den meisten Schrauben nicht rein. Du reißt dir reihenweise die Schraubenköpfe ab.

Seitenteile des Unterbaus verschraubt.Damit der Übergang zwischen den Teilen ordentlich aussieht, klemmst du sie am besten mit zwei Schraubzwingen zusammen. So halten sie in der passenden Position, während du durch beide Teile hindurch vorbohren kannst.

Die Löcher kannst du ansenken, damit die Schraubenköpfe komplett darin verschwinden. Erst nachdem die Schrauben fest sitzen, löst du die Schraubzwingen.

Lackieren oder folieren

Damit das ganze möglichst unauffällig bleibt, solltest du dieses Gestell noch dunkel streichen. In einem dunklen Heimkino und an dunklen Poäng-Sesseln wird der Unterbau dadurch nahezu unsichtbar. Statt sie zu streichen kannst du auch Sprühlack verwenden.

Die Unterbauteile fertig montiert und lackiert.Wenn du die hellen Varianten verwendest oder das Kino allgemein ein heller Raum ist, wäre es alternativ denkbar, die Seiten zu folieren, um die Optik an das Holz der Sessel anzugleichen. Überhaupt müssen eigentlich nur die kurzen Seitenteile wirklich gut aussehen, weil die als einzige immer sichtbar sind.

Falls du die Teile lackierst, wäre es sinnvoll, die Unregelmäßigkeiten im Holz sowie Kanten und Schraublöcher mit Holz- und MDF-Spachtel zu verspachteln. Anschließend die Oberfläche gut abschleifen. So sieht es nach der zweiten Lackschicht aus wie aus einem Guss. Mehr zur Oberflächenveredelung von Holz kannst du in dieser Anleitung zum Deckensegel-Bau nachlesen.

Befestigung am Poäng-Sessel

Der Unterbau mit dem IKEA Poäng verspannt.Für die Befestigung am Poäng verfährst du genau wie zuvor mit den Seitenteilen. Das schwierigste ist hierbei, sie festzuklemmen und gleichzeitig auf beiden Seiten richtig auszurichten. Achte darauf, wie herum du den Unterbau ansetzt, damit sich die Schrauben im Holz nicht in die Quere kommen.

Wenn alle Maße stimmen, solltest du zum Vorbohren relativ genau in der Mitte des schmalen Streifens im Holz ansetzen müssen, der zwischen Außenkante und der getackerten Sitzfläche bleibt.

Verspannter Unterbau mit Bohrlöchern durch den Poäng.Die Bohrung kann evtl. nicht exakt senkrecht erfolgen, weil dem Akkuschrauber die Armlehne im Weg ist. Bohre aber zumindest so weit, dass du durch den Stuhl durch bist und im Holz darunter die Position „anzeichnest“.

Die Löcher solltest du zuletzt auch noch ansenken, damit die Schrauben nicht überstehen und am Sitzpolster scheuern.

Bass Shaker anbringen

Jetzt ist es Zeit, den Unterbau nochmal abzunehmen, die Löcher endgültig vorzubohren und den Staubsauger ran zu lassen.

Angesenkte Bohrlöcher durch den Poäng.Zuletzt schrauben wir den Reckhorn BS-200i von unten auf die Platte. Dazu legst du ihn einfach auf und richtest ihn durch mehrmaliges Messen von allen Seiten mittig aus. Die drei Löcher markierst du durch Vorbohren mit einem dünnen Bohrer. Die restliche Tiefe bis fast durch das Holz bohrst du dann vor, wenn der Bass Shaker beiseite gelegt wurde.

Reckhorn BS-200i mit dem Unterbau verschraubt.Die dem BS-200i beiliegenden Schrauben kannst du nicht verwenden, weil die zu lang für die Stärke des Holzes sind. Ich empfehle stattdessen andere Schrauben in maximal 18 mm Länge und mit TORX-Kopf. Du wirst sie sehr fest anziehen müssen und solltest dabei besser nicht die Schraube zerlegen. Die beiliegenden Zahnscheiben kannst du als zusätzliche Sicherung gegen spätere Lockerung zwischen Bass Shaker und Schraube unterlegen.

Seitenansicht des Unterbaus mit Bass Shaker.Zuletzt kann das ganze zurück an den Poäng, wo du es fest verschraubst. Die Schrauben drehst du besser schon vorher in den Stuhl ein, bis sie minimal unten heraus schauen. Achte beim Eindrehen darauf, dass das Holz möglichst gleich richtig aneinander gepresst wird.

Entkopplung vom Boden

Mit dem BS-200i werden 4 Gummidämpfer geliefert. Die kommen genau richtig, denn die brauchst du, um den Poäng vom Boden zu entkoppeln.

Wie wichtig es ist, den Sessel zu entkoppeln, merkst du schnell, wenn du die Bass Shaker ohne Gummifüße in Betrieb nimmst.

  • der Sessel überträgt die Vibration auf den Boden
  • auf glattem Untergrund hoppelt der Poäng eventuell klappernd herum
  • eine saubere Vibration will sich irgendwie nicht so richtig einstellen

Unterseite des Poäng mit Bass Shaker und Gummifüßen.Egal was du zum Schwingen bringen willst, du solltest es auf diese Gummifüße stellen. Das erlaubt dem Sitzmöbel oder Podest, sich unabhängig vom Boden zu bewegen. Dadurch bleibt nahezu die gesamte mühevoll erzeugte Bewegungsenergie im Sessel und seinem Insassen.

Die Füße haben zwei Löcher um sie anzuschrauben. Das kannst du so machen (vorbohren nicht vergessen), oder du klebst sie mit Sekundenkleber an. Das schien mir praktischer zu sein.

Die Gummifüße an der Unterseite des IKEA Poäng.

Als Position für die Gummifüße wählst du die Seitenteile, weil hierauf die Last ruht. Hinten bleibst du etwa 3 cm vom Ende weg. Den anderen Fuß befestigst du jeweils so weit vorne wie möglich – jedoch noch auf der geraden Fläche, nicht in der Biegung nach oben.

Dir wird auffallen, dass der Poäng danach beim Aufstehen nach vorne kippt. Das liegt daran, dass die kleine Kippsicherung vorne keinen Bodenkontakt mehr hat. Wenn dich das stört, bestellst du einfach nochmal einen Gummifuß pro Sessel, halbierst diesen mit einem Messer und klebst ihn unter die Kippsicherungen.

Das Ergebnis

Nun kann es losgehen. Die Körperschallwandler musst du nur noch per Lautsprecherkabel mit einem passenden Verstärker verbinden und diesem ein Signal zuführen, das für Bass Shaker ausreichend tief getrennt wird. Das sehen wir uns in späteren Artikeln nochmal an.

Für erste Tests kannst du dir einen beliebigen Film aus deiner Sammlung heraussuchen, der mit Bass nicht gerade sparsam umgeht. Optimal wäre es, wenn gleich am Anfang was davon zu spüren ist. Hier meine Testkandidaten:

  • James Bond 007: Spectre – Der Anfang am Tag der Toten wartet mit gehörigen Beats auf, mündet dann in einige Schüsse und lässt eine Hausfassade auf uns herab regnen. Bei ungefähr 1:11 beginnt die ebenfalls fühlenswerte Verfolgungsjagd mit dem Flugzeug.
  • Terminator Genisys – In den ersten 5 Minuten fliegt so ziemlich alles in die Luft und reißt dich mit. Da zahlt sich ein kräftiger Verstärker aus.
  • Baby Driver – Spannende Verfolgungsjagden mit vibrierenden Motoren, im Wechsel mit präzisen Schüssen. Das geht eigentlich den ganzen Film über so. Anspieltipp: der Besuch bei den Waffenhändlern.

Dezente Vibrationen nimmst du im Poäng vor allem im unteren Rücken wahr. Außerdem werden die Armlehnen sehr gut mit einbezogen. Spätestens wenn es richtig zur Sache geht, scheint dich aber der komplette Sessel mitzureißen.

Dabei fällt mir ein, dass ich mir noch eine Erinnerung zum Nachziehen der Schrauben setzen wollte.


Du hast Fragen zur Anleitung oder ganz allgemein zu Bass Shakern?
die individuelle Beratung von Heimkino Praxis hilft weiter


Der IKEA Poäng ist gefühlt in jedem dritten Heimkino zu finden. Kein Wunder, denn Preis und Leistung sind hier mehr als stimmig. Um so besser, dass wir mit dem Reckhorn BS-200i einen Weg haben, den Schwingsessel zu einem ebenso äußerst moderaten Preis mit Körperschallwandlern auszustatten.

Das Ergebnis gefällt und trägt als echter Mehrwert auf eine besondere Art zum Heimkino-Erlebnis bei. Der Material- und Arbeitsaufwand hält sich angenehm in Grenzen. Eine lohnende Investition, die ich jederzeit wieder tätigen würde.

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

2 Gedanken zu „Bass Shaker am IKEA Poäng installieren

  1. Wie immer gut geschrieben, Bert. Es sei der Hinweis gestattet, dass die beiden unteren Fotos sehr dunkel sind. Kann man die noch per Bildbearbeitung pimpen?

    Aber eigentlich wollte ich fragen, ob du schon die Möglichkeit hattest, die verschiedenen Stufen der Gummidämpfer (flach, mittel, hoch) zu testen? Ich gedenke nämlich, mein Sofa von flach auf hoch umzurüsten 😀

    1. Hi Daniel,

      tja, ist halt „Kuahranzanacht“ hier im Kino, wie man bei uns sagt. 😀 Hab schon probiert das heller zu machen, aber dann sieht es nur noch blöd aus. Aber die Zeichnungen sagen ohnehin mehr aus. 😉

      Die Gummidämpfer hab ich nur flach verbaut, mehr braucht man bei den Poäng ja auch nicht. Für die vertikalen Varianten musst du sie irgendwie zwischen zwei feste Brettchen verbauen, damit sie nicht seitlich wegknicken können. Bei Reckhorn auf der Seite gibt es ein gutes Beispiel, wie man das für ein Podest machen würde. Das müsstest du irgendwie adaptieren. Ich könnte mir aber vorstellen, dass für ein Sofa z.B. auch zwei Stück liegend übereinander geklebt reichen müssten.

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