Serie Ein Deckensegel bauen (Teil 1 2 3 4 5 6)

Rahmen 3: Beleuchtung und Elektrik für das Deckensegel

Nach der aufwendigen Oberflächenbehandlung stellt Rahmen 3 nun den Abschluss Eures Deckensegels dar. Wir bauen hier die Deckenspots ein und schließen sie an. Innen an der Kante entlang bringen wir LED-Stripes für die indirekte Beleuchtung an.

Das fertige Deckensegel in einem hellen Wohnzimmer.

Für diesen letzten Schritt müsst Ihr Euren Haus- und Hof-Elektriker für einen halben Tag anwerben, der die Verkabelung fachmännisch für Euch erledigt.

Elektroinstallation

Wichtig: Arbeiten an der Elektoinstallation in Häusern allgemein und auch an Eurem Deckensegel im Speziellen dürfen nur von einem qualifizierten Elektriker ausgeführt werden. Ihr gefährdet sonst Euch selbst oder andere und riskiert Schäden durch Feuer, für die Eure Versicherung sehr wahrscheinlich nicht aufkommt.

Ein wenig Material ist für die Beleuchtung von Rahmen 3 noch erforderlich:

Spots einbauen und verkabeln

Die Spots könnt Ihr gleich in die Einbaurahmen klemmen und selbige in das Deckensegel einsetzen. Achtet ggf. auf die Richtung, in der die Strahler schwenkbar sind.

Die Abzweigdosen schraubt Ihr dort auf den Rahmen, wo Kabel als Zuleitung von der Decke kommen. Auch wenn es nur eine Zuleitung gibt, braucht Ihr gegenüber noch eine Abzweigdose. Man kann zwar einiges in so eine Dose rein quetschen, aber für den Anschluss von 8 Spots und einem LED-Band reicht es dann doch nicht.

Die Wago-Klemmen gibt es in 2-, 3- und 5-facher Ausführung:

  • 2-fach dient nur zur sauberen Verbindung zweier Drähte, also zur „Verlängerung“
  • 3-fach ist ein Verteiler von 1 auf 2 andere Drähte
  • 5-fach verteilt von 1 auf 4 neue Drähte

Ihr benötigt von den entsprechenden Klemmen immer zwei:

  1. für die Phase (L, braun oder schwarz)
  2. für den Nullleiter (N, blau)
  3. [jedoch meist nicht für den Schutzleiter (PE, grün-gelb), weil Einbauspots diesen nicht haben]

Für ein Deckensegel mit 8 Spots benötigt Ihr also 2 Abzweigdosen, in denen jeweils eine Stromzufuhr mit zwei 5er-Klemmen auf 4 Spots verteilt wird.

Jetzt versteht Ihr vielleicht, warum wir nach dem Anbringen von Rahmen 1 an der Decke bereits von der Stromquelle aus mit zwei Kabeln auf zwei Seiten des Deckensegels gefahren sind. Ihr könnt auch mit dem Strom nur in eine Abzweigdose rein und von dort auf dem Rahmen entlang in die zweite. Dafür benötigt Ihr aber unter Umständen schon wieder mehr Klemmen.

Alles klar soweit? Euer Elektriker wird das verstehen. Und Euch dann, dankbar für die viele Arbeit, um den Hals fallen.

Die Deckenspots von der Oberseite des Deckensegels aus gesehen.Übrigens: Ich empfehle hier ausdrücklich eine „Stern-Verkabelung“, also immer von der Abzweigdose zu einer Lampe – nicht von einer Lampe zur nächsten. Letzteres führt zu unsauberen Anschlüssen (kein Platz für 2 Kabel in den Fassungen) und erhöht die Spannung auf den Spots. Wenn diese nämlich schwenkbar sind, ist es mit einem Kabel schon spannend genug, dass sie sich nicht von alleine verdrehen.

Damit die Kabel sauber von einem Spot zum nächsten geführt werden, solltet Ihr dünne Kabelkanäle in weiß auf die Oberseite schrauben. Es genügt, wenn die Kanäle nur die Abschnitte zwischen den Spots abdecken. Sie dienen eigentlich nur dazu, dass die Kabel nicht versehentlich nach oben weg stehen und es einfach ein wenig aufgeräumt ist. Die letzten paar Zentimeter zur Fassung eines Spots legt Ihr das Kabel bei Bedarf in einer großen S-Schlaufe, damit der Spot (sofern schwenkbar) beweglich bleibt.

LED-Stripes anbringen

Die LED-Stripes sind insgesamt deutlich einfacher anzubringen. Hier könnt Ihr Eurem Elektriker gut zuarbeiten. Der Materialbedarf hält sich in Grenzen:

Von 10 Metern LED-Stripes schneidet Ihr zwar einiges ab, aber mit weniger kommt Ihr leider nicht ganz herum. Selbst das kleinste Deckensegel dürfte einen Umfang von 5 Meter schnell überschreiten. Die 10 Meter gibt es eigentlich nur in Form von 2×5 Metern zu kaufen. Die dazugehörige Steuereinheit hat dann zwei Anschlüsse und muss daher in einer 10 Meter langen Strecke in der Mitte sitzen. Wie praktisch, dass der Rand unseres Deckensegels keine Mitte hat.

Detailansicht der Anschlüsse der LED-Stripes mit dem Infrarot-Empfänger.Ihr könnt also irgendwo anfangen, die Streifen innen am Rand anzukleben. Immer ca. 15 cm der Schutzfolie abziehen und dann den Streifen andrücken. Es empfiehlt sich aber, in der Mitte einer Seite zu beginnen, damit später alle 4 Ecken gleichmäßig ausgeleuchtet sind. Zudem habt Ihr zwischen den Spots mehr Platz für das Netzteil.

Wichtig für den Startpunkt ist allerdings, dass der Infrarot-Empfänger der Steuerung an einer Position auf dem Deckensegel ist, wo er später gut erreichbar sein wird. Überlegt Euch also spätestens jetzt, von wo aus Ihr das indirekte Licht meistens steuern werdet, und seht dann das Netzteil und die Steuereinheit (und damit auch den Startpunkt der Streifen) auf dieser Seite vor.

Um die Ecken herum solltet Ihr die LED-Stripes in einer Kurve kleben. Sie komplett zu knicken ist bei stromführenden Teilen ja immer nicht ganz so sinnvoll. Zudem ist es auch nicht nötig. Eine Kurve von ca. 4 cm Radius genügt völlig.

Beide Richtungen, in die der Streifen verläuft, solltet Ihr gleich lang machen. Also nicht auf einer Seite die vollen 5 Meter ankleben und auf der anderen Seite dann nur noch den Rest. Mit zunehmender Länge können die LEDs dunkler werden. Dort wo sie sich treffen seht Ihr sonst möglicherweise einen Helligkeitsunterschied.

Die nicht sichtbare Oberseite des Deckensegels mit aktiven LED-Stripes.Zuletzt wird die Steuereinheit innen auf den Rahmen geklebt, ebenso das Netzteil. Die kurzen Kabel für den Anschluss der Streifen ist etwas fummelig. Den Infrarot-Empfänger klebt Ihr auf die Oberkante des Rahmens, so dass nur die schwarze Spitze über den Rahmen steht und später sichtbar ist.

Für die Stromzufuhr schneidet Euer Elektriker den Stecker vom Netzteil der LED-Stripes ab und schließt das Kabel in einer der Abzweigdosen an. Wie gut, dass Ihr so viele Wago-Klemmen besorgt habt – und der Elektriker so viel Geduld hat.

Montage an der Decke

Es wird Zeit, dass wir es zu Ende bringen. Ein letztes Detail habe ich noch vorgesehen. Zwischen Rahmen 1 und Rahmen 3 wird an 4 Stellen eine Sicherungsleine angebracht. Diese erfüllt zwei Aufgaben.

  • Sie macht, dass Euer Elektriker Euch wieder gern hat. So kann der Rahmen nämlich vor der endgültigen Montage in ca. 40 cm Abstand von der Decke herunter hängen. Dadurch kann der Elektriker in aller Ruhe die Stromzuleitung in die Abzweigdose legen und dort endgültig anschließen.
  • Sollte sich die Befestigung von Rahmen 3 wider Erwarten in Wohlgefallen auflösen, hindert die Sicherungsleine den Rahmen daran, die Bewohner unter sich zu begraben.

Der Rahmen hängt an einer Sicherungskette an der Decke und ermöglicht so die letzten Arbeiten.Ihr benötigt dafür pro Befestigungspunkt einen Schraubhaken und eine Schrauböse, sowie eine ca. 30 bis 35 cm lange Uhrenkette. Ich habe keine Ahnung, wer seine Uhr an so eine Kette hängen würde, aber die heißt eben so. Beides gibt es im Baumarkt in der Nähe der Schrauben. Uhrenketten sind Meterware von der Rolle.

Der Vorteil der Kette gegenüber anderen Lösungen wie Stahlseil, Strick oder ähnlichem ist:

  • Durch Abzählen der Kettenglieder werden alle Ketten gleich lang und der Rahmen hängt gerade.
  • Ihr benötigt keine umständlichen Schlaufen, um die Kette in die Haken einzuhängen.
  • Die Kette fällt auf kleinstem Raum zu einem dichten Häufchen zusammen, sobald der Rahmen hoch an die Decke kommt. Das heißt, da hängt dann nichts irgendwo ungewollt rum, was Ihr noch aus dem Sichtfeld schaffen müsstet.

Rahmen 3 hängt an Sicherungsketten von der Decke.Die Schraubhaken werden an passenden Stellen in das Holz geschraubt (dünn vorbohren empfiehlt sich hier). Einmal außen in Rahmen 1 an der Decke, etwa 3 cm von der Unterkante enfernt (nicht höher, sonst sieht man den Haken später). Zum anderen in Rahmen 3 auf die horizontale Fläche, mit etwa 2 cm Abstand zur späteren Kante von Rahmen 1. Die Winkel auf Rahmen 3 markieren die Position von Rahmen 1 ja bereits und dienen hier als Anhaltspunkt für die Positionen der Haken.

Ab an die Decke damit

Nun kann Rahmen 3 also endlich an die Decke. Zwei Personen genügen, ihn dort hoch zu hieven und die Enden der Ketten in den Haken einzuhängen. Dort hängt er erstmal gut und der Elektriker kann den Anschluss vornehmen.

Die Elektronik der LED-Stripes auf der Rahmenoberseite.Wenn nicht schon geschehen, sollte spätestens jetzt ein Test der Beleuchtung erfolgen. Es wäre ärgerlich, wenn ein Deckenspot nicht geht und das erst auffällt, wenn der Rahmen schon an der Decke verschraubt ist.

Für den letzten Schritt braucht Ihr wieder die Teleskopstützen. Der Rahmen wird an seine endgültige Position an der Decke gehoben und mit den Winkeln um Rahmen 1 herum eingefädelt. Dafür ist kurz ein wenig Geduld notwendig, aber sobald die Winkel auf allen 4 Seiten richtig sitzen, wirken sie wie eine Schiene und die letzten paar Zentimeter werden zum Kinderspiel.

Während die Teleskopstützen Rahmen 3 immer mehr an die Decke drücken, prüft Ihr rundherum immer wieder, dass dieser richtig sitzt und überall den gleichen Abstand zur Decke hat. Ein Griff auf die Oberseite stellt sicher, dass die Ketten sich nicht in dem Spalt zwischen Rahmen 1 und 3 verklemmen. Auch die Stromzuleitung muss sich komplett außen auf dem Rahmen befinden.

Sobald sich der Rahmen nicht weiter nach oben drücken lässt und der Abstand zwischen Oberkante und Decke rundherum gleich ist, geht es ans Festschrauben. Das ist wieder ein wenig fummelig, dafür aber auch der tollste Moment in der Deckensegelgeschichte.

Mit einem Akkuschrauber könnt Ihr da oben nicht ran. Euch fehlt die Bewegungsfreiheit und die Sicht. Auf der Leiter stehend, das Gesicht anmutig gegen die Decke gedrückt, müsst Ihr die winzige Schraube in den Winkel einfädeln und mit einem Handschraubendreher anziehen. Das geht erheblich leichter, wenn Ihr vorher das Loch mit einem Stichel punktiert.

Fertig.

Das fertige Deckensegel in einem dunklen Heimkino.


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Ihr seid nun stolzer Besitzer eines selbstgebauten Deckensegels. Reflexionen von der Decke sind kein Thema mehr. Mit Dunkelheit habt Ihr selbst im schwärzesten Heimkino auch nie wieder Probleme.

Das Deckensegel von unten, nur die indirekte Beleuchtung ist aktiv, ein Deckenspot ist ausgeschaltet.

Zum Abschluss dieser Odyssee würden mich Eure Erfahrungen und Anregungen zum Bau eines Deckensegels interessieren. Schreibt einen Kommentar zu dem jeweiligen Bauabschnitt oder wo es Euch beliebt. Ich freue mich auf jede Rückmeldung.

Ich hoffe, Ihr konntet alle Schritte gut Nachvollziehen und die Anleitung war hilfreich für Euch. Der Bau eines Deckensegels ist immer noch eine sehr individuelle Aufgabe, bei der vieles auf die eigenen Gegebenheiten zugeschnitten werden muss. Das sollte Euch nun aber zumindest erheblich leichter fallen. Viel Erfolg!

Über Bert Kößler

Leidenschaftlicher Filmvorführer, Popcorn-Koch, Kartenabreißer, Platzanweiser, Programmchef, Projektionist, Reinigungsfachkraft und Kabelmann in einer Person. Neigt zu ausgeprägtem Fanatismus, wenn es um die Steuerung und Automatisierung des Heimkinos geht. Konnte sich zwischen zwei Filmen dazu motivieren, Heimkino Praxis als Ventil für gelegentliche Schreibanfälle zu gründen.

2 Gedanken zu „Rahmen 3: Beleuchtung und Elektrik für das Deckensegel

  1. Hi Bert,

    vielen Dank für die detaillierte Anleitung und die wertvollen Tipps! Ich werde mich demnächst daran machen, unser Wohnzimmer mit einem Segel abzuhängen. Aufgrund der Maße des Wohnzimmers wird es wahrscheinlich ein eher langes Segel. Hast Du Tipps für mich, explizit zu einem Segel was etwas größer ist, wie ich die Absorber verstecken kann? Unschöne Nähte durch würde ich gerne vermeiden, akustisch wirkungsvoll soll das Segel aber auch sein, daher fällt eine großflächige Beplankung mit Rigips wohl auch weg. Derzeit bin ich etwas ratlos, was das angeht. Vielleicht hast Du ja einen guten Ansatz dafür;)

    Viele Grüße und alles Gute!
    Sebastian

    1. Hi Sebastian,

      wenn das Format so außergewöhnlich ist, brauchst du vielleicht auch eine außergewöhnliche Lösung. Die hier vorgestellte Konstruktion funktioniert praktisch für jede Größe, wobei es aber irgendwann natürlich „unhandlich“ wird.

      Deinen Gedanken, „Nähte“ zu vermeiden, kann ich nachvollziehen, kehre ihn aber mal ganz frech ins Gegenteil um: Wenn du etwas nicht verstecken kannst, sorge dafür, dass es jeder sehen kann. Oder: dass es „gewollt“ aussieht. Du kannst mit unterschiedlichen Stofffarben arbeiten, um Übergänge gewollt aussehen zu lassen.

      Ich hab da noch so einen Plan in der Schublade. Du kennst doch diese Stahlseile, die man spannen kann, um Sachen dran zu hängen. Gibt’s zum Beispiel bei IKEA sehr günstig. Wenn du zwei (oder mehr) davon durch den Raum spannst, kannst du Absorber daran anbringen. Die könnten in Rahmen aus Aluminium-L-Profilen eingelegt werden, die dann an den Seilen hängen. Nur so eine Idee, das ist nicht weiter ausgereift. Aber vielleicht bringt es dir was.

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